empfehlen Zum Rechtsformwechsel in eine GmbH gezwungen?

Ihre Kunden machen Druck und zwingen Sie in eine GmbH (oder kleine GmbH) umzufirmieren? Sie haben Angst, einen oder mehrere Ihrer Kunden zu verlieren, weil diese die Künstlersozialabgabe nicht leisten wollen und deswegen geben Sie dem Druck nach? Wir können Sie verstehen.

Bereits vor einem Jahr haben uns Nachrichten erreicht, wonach Ein-Mann-Werbeagenturen, die seit über 10 Jahren als Personengesellschaften erfolgreich am Markt agieren, aufgrund der Künstlersozialabgabe ihre Rechtsform in die einer Kapitalgesellschaft ändern mussten.

Obwohl der Wechsel nur Nachteile bringt:

ist der Wechsel in eine GmbH oder UG für viele "Künstler wider Willen" die einzige Möglichkeit, ihre Kunden zu halten.

KSKontra.de ist der Ansicht, dass dieser Umstand der Ungerechtigkeit die Krone aufsetzt. Werbern, Grafikern, Fotografen und vielen anderen Kreativen, die sich selbst nicht als Künstler sehen, werden unnötig Kosten und bürokratische Zwänge aufgebürdet.

[squote]Mussten oder müssen Sie demnächst ebenfalls die Rechtsform einer Kapitalgesellschaft annehmen, weil Sie dazu gezwungen werden? Dann schreiben Sie uns (redaktion@kskontra.de). Wir sammeln Ihre Schreiben und leiten diese an die Politik weiter.

Philipp am 15.12.2008, 18:10 Uhr

Hallo,
vielen Dank erstmal für Ihre Arbeit. Völlig fassungslos bin ich in den vergangenen Stunden über dieses Thema gestolpert. Meine Frau ist selbstständige Übersetzerin. Und da hat man ja schon genug Sorgen... Und wenn man es doch schafft, den mächtigen zu Spottpreisen arbeitenden großen Agenturen und Übersetzungsbüros (welche Unternehmensform auch immer) Aufträge und Kunden abzunehmen, dann muss man sich noch Sorgen machen, dass die wahrscheinlich ahnungslosen Kunden noch mit so was behelligt werden. Ich habe die Thematik so weit verstanden, dass wenn Übersetzer wörtliche, origínaltextgetreue Übersetzungen fertigen, nichts zu befürchten ist. Aber was ist mit Texten z.B. für die Werbebranche?
Vielleicht sollten wir solche Aufträge über die dänische Firma meines Schwiegervaters (Unternehmeszweck ist weit gefasst) abwickeln? Den Kunden bitten, dieser ausländischen Firma den Autrag zu geben, und diese beschäftigt uns dann wieder? Dann müssten wir doch diesem Unsinn entgangen sein, oder?
Könnte man dieser Ungerechtigkeit nicht so auf die Schliche kommen?
So eine ungereche Art von Wettbewerbsverzerrung macht mich fassungslos.

Weiterhin viel Erfolg - ich werde aufmerksam Ihre Seite verfolgen. Ebenfalls möchte ich meine Hochachtung zum Ausdruck bringen, dass Sie so viel Energie diesem Thema widmen können.

Viele Grüße


Anonym am 16.12.2008, 01:59 Uhr

Wir sind vermutlich gezwungen als GmbH zu gründen, weil wir gar keine andere Chance sehen, unseren zukünftigen Kunden längerfristig die KSK und deren Methoden zu erklären.

So kann man ein Land peu à peu wirtschaftsfeindlich machen...


KSKontra.de (Heilbronn) am 16.12.2008, 09:22 Uhr

an Philipp:
unseres Wissens ist es so, dass ein in Deutschland ansässiger Auftraggeber (Verwerter) auch dann die Künstlersozialabgabe bezahlen muss, wenn der beauftragte Künstler (z.B. Übersetzer für die Werbebranche) im Ausland sitzt. Dadurch will der Gesetzgeber die Wettbewerbsverzerrung zu Ungunsten der in Deutschland lebenden Künstler verhindern.
Wenn aber ein ausländisches Unternehmen einen deutschen Künstler beauftragt, kann die KSK vom z.B. in Dänemark ansässigen Verwerter keine Künstlersozialabgabe einfordern.
Das ist soweit korrekt.

an Anonym:
Sie können uns gerne direkt eine Mail mit Ihren Daten zukommen lassen. Wir behandeln diese vertraulich und nutzen sie nur nach Rücksprache z.B. gegenüber der DIHK, um die vorherrschende, wettbewerbsverzerrende Situation zu untermauern. Senden Sie uns Ihre Mail an redaktion@kskontra.de. Dieser Aufruf ist an alle "Rechtsformwechsler" gerichtet.


KSK-Mitglied am 16.12.2008, 12:34 Uhr

@Phillip

Ich arbeite auch als Übersetzer und habe bisher nie gehört, dass einer meiner Auftraggeber von der KSK angesprochen worden ist, obwohl sie in manchen Fällen theoretisch zahlungspflichtig wären. Ich bin bisher auch von keinem einzigen Auftraggeber wegen der KSK unter Druck gesetzt worden. Das Gleiche gilt für alle meinen freiberuflichen Kollegen. Lass Dir bitte nicht von irgendwelche Panikmache anstecken und warte erst ab, dass die Kunden dich oder deine Frau ansprechen.


geschäftsführender Gesllschafter Design am 16.12.2008, 21:46 Uhr

@Phillip

Ja genau. Bereite Dich nicht vor, sichere Dich nicht ab, informiere nicht Deine Kunden, solange sich die KSK bei Dir nicht gemeldet hat. RIESEN-BULLSHIT. Wie in anderen Berichten fordern die Kunden plötzlich von Ihren Dienstleistern, dass diese doch bitte selbst die KSA zahlen oder abarbeiten sollen. Die Kunden sind nämlich begeistert, wenn sie plötzlich für die letzten 5 Jahre rückwirkend zahlen sollen. Ein guter Partner und Dienstleister ist man jedoch, wenn man dem Problem in die Augen schaut, die Kunden informiert, gemeinsam nach Lösungen sucht. Denn auch ein Kunde ist geneigt, anders lautende Rechnungen zu akzeptieren, wenn er dadurch Geld spart. Auch nimmt er in Kauf, einen Job mit unterschiedlichen Rechnung zu bezahlen, wenn er dadurch spart. Sucht den Schulterschluss mit den Kunden. Wir KREATIVEN UND VERWERTER müssen zusammen halten gegen die KSK. Und Vorsicht walten lassen, was diese oder deren Mitglieder an Ratschläge geben. Versetzt Euch einfach in die Lage des Kunden. Was würdet Ihr sagen, wenn Euch dieses Thema bekannt ist, Ihr es aber verschwiegen habt. Ich habe deswegen schon vor 3 Jahren mein Unternehmen als GmbH gegründet. Damit diese XXXX von mir so wenig Geld wie möglich bekommen.


KSK-Mitglied am 16.12.2008, 22:41 Uhr

Die Lage ist durchaus anders bei Übersetzern als bei anderen „Künstlern“ wie meinem Vorredner, da sich letztes Jahr ein Verwerter erfolgreich gegen die KSK-Abgabe zur Wehr gesetzt hat. Das Gericht hat bestätigt, dass wörtliche Übersetzungen, bei der sich Übersetzer nicht kreativ einbringt, der KSK-Abgabe nicht unterliegen. Die KSK sieht sich mit einem großen Problem konfrontiert: wie wird man nun feststellen, was eine künstlerische Übersetzung ist? Wird man bei jeder Übersetzung ein Gutachten einholen müssen, um zu beweisen, dass der Übersetzer über das rein handwerkliche hinausgegangen ist und nicht nur Maschinenarbeit geleistet hat? Im Grunde genommen kann man sagen, dass das Gericht ein bewundernswertes Stück Idiotie hervorgebracht hat, da in den meisten Fällen nur schlechte Übersetzungen wortgetreu sind und für jede gute Übersetzung einiges an Spielräumen notwendig sind.

Ich habe den Eindruck, dass sich die KSK dieses Problems bewusst ist und deswegen sehr vorsichtig bei Übersetzungen geworden ist. Ich stehe in Kontakt mit über 100 freien Übersetzern in Deutschland, und ich habe von keinem einzigen gehört, dass deren Kunden von der KSK angesprochen worden ist. In diesem Fall plädiere ich sehr wohl für eine differenzierte Sicht und empfehle es, erst mal keine schlafenden Hunde zu wecken und eventuell Kunden zu verschrecken. Klar ist jedenfalls, dass die KSK-Abgabe für nicht veröffentlichte Übersetzungen NICHT zu erheben ist. Klar ist auch – und das sollte Phillip auch gesagt werden – dass die Freien nicht verpflichtet sind, ihre Auftraggeber über die KSK zu informieren.


KSK-Mitglied am 16.12.2008, 23:10 Uhr

@geschäftsführender Gesellschafter Design

Anderes Thema - du hast mich vor einem Jahr ausgelacht, als ich gesagt habe, dass ich es für sinnvoll halte, über die KSK in die Deutsche Rentenversicherung einzuzahlen. Jetzt haben wir Börsenwetter, wo auch Du am eigenen Leib erleben kannst, worum ich diese Meinung vertrete. Willst Du 55 sein und miterleben, wie sich dein Aktiendepot halbiert? Willst du darüber grübeln müssen, ob es wirklich wieder nach oben geht, oder ob es doch besser ist, jetzt zu verkaufen? Die Renditen, die die Banken für ihre Produkte versprechen, basieren doch immer auf einer Zeitspanne, die vom Tief der letzten Baisse bis zum Hoch der letzten Hausse reichen. Man muss auch in Erwägung ziehen, was passiert, wenn man mitten in einem Crash auf Rente geht. Das wird dir sicherlich kein Bankberater sagen, aber - wie man sieht - es kann Wirklichkeit werden.


geschäftsführender Gesllschafter Design am 18.12.2008, 20:24 Uhr

@KSK Mitglied

ich gebe Dir eingeschränkt Recht. Meine 2 Lebensversicherungen ziehen Ihre Rendite laufend nach unten - ein Sparbuch oder Tagesgeldkonto wirft bald mehr ab. Meine 2 Depots, die ich vor 8 Jahren angelegt habe (2x 10.000,- DM) sind heute sagenhafte 6.800,- EUR wert. Das zeigt, dass man Bankprodukten und Versicherungen nicht trauen kann. Daher habe ich zum Glück mein Haus, und wenn die Wirtschaft sich erholt ist weiteres Eigentum im Plan. Aber betrachte doch bitte dann auch objektiv, was mit der gesetzlichen Rente geschieht. Die wird auch laufend nach unten korrigiert. Meine Mutter hat mehr verdient als mein Vater und somit auch mehr eingezahlt. Geht später in Rente bekommt dann aber auch weniger als mein Vater. Die gesetzliche Rente hat gar keine Rendite. Du bekommst irgendwann Deinen Grundanteil von ein paar Hundert Euro. Schon seit ein paar Jahren wird propagiert, dass jeder sich selber eine Zusatzrentenversicherung (Riesetr, Rürup, etc) anschaffen soll - denn die Rente reicht nicht. Also soll ich als kleines Schaf freiwillig zum Schlachter laufen? Jedes Sparbuch wirft mehr ab. Das System ist nicht fair, nicht sozial und Du wirst von vorne bis hinten belogen. Eine Lösung weiß ich auch nicht. Es kann aber nicht sein, dass ich mit der gesetzlichen Rente ein Minus erwirtschafte, weil zu viele versorgt werden müssen. Dann lieber heute leben - einen Gewinn für die Altersvorsorge zu erwirtschaften wird auch immer schwerer und die Abgeltungssteuer läßt grüssen, und wenn es knallt, habe ich die Einstellung, lieber zu arbeiten bis ich umfalle (alt werde ich eh nicht bei meinem Beruf und Lebensstil, oder halt dann staatliche Stütze zu zahlen. Denn Steuern habe ich dann weiß genug gezahlt. So dass ich dann auch ein Recht habe, etwas zu erhalten, statt nur geschröpft zu werden. Wenn ich 55 bin habe ich bei der derzeitigen Entwicklung noch 2 weitere Rezessionen zu erleben ... und diesem System (Stast, Banken, Versicherungen) kann man als halbwegs gebildeter Mensch nicht mehr vertrauen. Und die KSK ist auch ein Wohltätigkeitsverein. Es ist eine gute Melkmaschine für zusätzlichen Einnahmen. Der Staat tut nichts, weil Du ein armer Künstler bist und man Dich lieb hat. Banker, Versicherungsvertreter, Makler, Politiker, alles ein Schlag von Mensch.

In diesem Sinne wünsche ich Dir und allen anderen hier:
schöne Feiertage und ein erfolgreiches Jahr 2009

Auf dass die Rezession nicht so heftig eintritt, wie es verantwortungslose Journalisten (wo ist die Selbstverpflichtung der Gesellschaft gegenüber) und profilierungssüchtige Politiker (wir haben ja bald wieder Wahlen, da will man gut darstehen) herbeireden.


KSK-Mitglied am 19.12.2008, 22:45 Uhr

Dir und den anderen auch schöne Feiertage und einen guten Rutsch!


RA Andri Jürgensen (Köln) am 05.01.2009, 17:00 Uhr


... der Druck der Auftraggeber, eine GmbH zu gründen, ist tatsächlich mit eines der größten Probleme, die sich aus der Reform 2007 und der damit verbundenen, massenhaften Erfassung der Verwerter ergibt (vorher gab es dieses Problem auch, aber nicht in dieser Breitenwirkung, weshalb die öffentliche Aufmerksamkeit nicht besonders groß war).

Ich hatte zur Zeit der Reform mit einigen Bundestagsabgeordneten Kontakt, die im zuständigen Kulturausschuß sitzen, und habe sie auf dieses Problem aufmerksam gemacht: die Zielrichtung der Reform - verstärkte Erfassung der Verwerter - ist richitg, aber es wird zu Problemen für die freien Mitarbeiter kommen. Einfluß hatte dieser Hinweis offensichtlich nicht ...

Es ist das große Paradoxon dieser Reform: die, die eigentlich durch die KSK geschützt werden sollen, kommen durch das KSVG in arge Bedrängnis.

Nun muss man sagen, dass nicht alle Auftraggeber nur noch GmbHs beauftragen, und bei meinen Seminaren ist einhellige Meinung der Teilnehmer: das ginge in der Praxis auch nicht. Man möchte mit bestimmten Personen arbeiten, etwa weil sie sich bewährt haben und die das Unternehmen kennen, nicht mit bestimmten Rechtsformen.

Möglicherweise ist für einige der Dienstleister ja die GmbH-Reform ein Rettungsanker, nun gibt es ja die Mini-GmbH (die sog. Unternehmergesellschaft), die günstig und schnell zu gründen ist - die aber eben auch eine Kapitalgesellschaft ist ...

Einen goldenen Ausweg gibt es hier nicht, jeder Dienstleister muss hier prüfen, was für ihn der richtige Kompromiss ist.

RA Andri Jürgensen
www.kunstrecht.de

PS: Diese Fragen behandeln wir auch in unseren Seminaren, die im Frühjahr wieder bundesweit stattfinden. Mehr Infos unter www.kunstrecht.de




Frank am 07.01.2009, 21:46 Uhr

@ Jürgensen

Sie verschweigen hier, dass bei Gründung einer GmbH oder auch nur Mini-GmbH die KSA fällig wird auf das Einkommen des kreativen GF. Also nicht mehr das Geld des Kunden, sondern das aus der eigenen Tasche Liquidität. Hier treibt die soziale Ungerechtigkeit der KSK die tollsten Blüten. Man kann schon als Ein-Person eine GmbH gründen und wird dann mehrfach mehr zur Kasse gebeten. Juchee. Aber will man nun unternehmerisch handeln oder Speisekarten malen und dann und wann mal sich als Künstler fühlen. Als Texter, Übersetzer, Schauspieler, Musiker, Bildhauer, etc. ist es natürlich wenig sinnvoll in eine Kapitalgesellschaft zu wandeln. Hier zeigt sich das Prinzip der Politik: Kiste auf und möglichst viele ohne Qualitätskontrolle hinein stopfen. Sie wundern sich doch nicht wirklich, dass Politiker nicht auf Sie hören, oder?
Wenn freie Grafiker nur noch Adaptionen und Reinzeichnungen in Rechnung stellen, dann hat man auch eher eine Chance, dem Moloch zu entkommen. Hier muss eine weitere Überarbeitung statt finden, die klar stellt, dass die Werbung und alle darin tätigen keine Künstler sondern kreative Dienstleister sind. Aber eine Sozialversicherung mit etwa bundesweit nur 100.000 ECHTEN Künstlern ließe sich nicht finanzieren. Bzw wäre sie dann da, wo sie eher hin gehört: auf die Tasche ALLER Steuerzahler.


Andri Jürgensen (Köln) am 08.01.2009, 10:40 Uhr

@ Frank

Ich hatte die Abgeordneten damals auf das Problem aufmerksam gemacht, dass auf die freien Mitarbeiter zukommen wird - nämlich Druck der Auftraggeber, eine GmbH zu gründen. Das habe ich nicht als Ziel dargestellt, sondern als das Problem, das es ist - eben weil die GmbH keine Ideallösung ist. Wüßte daher nicht, warum mir das vorgeworfen werden sollte ...

Andri Jürgensen
www.kunstrecht.de




Sven (Köln) am 12.01.2009, 18:07 Uhr

Hallo Herr Jürgensen,

in diesem Zusammenhang interessiert mich besonders inwieweit GbRs mit mehreren Mitarbeitern versus einer GmbH von der Abgabe-Problematik (oder Abzocke, je nach Ansichtssache) betroffen sind. Es kann doch nicht sein, dass Kunden für die Leistungen von sozialversicherungspflichtigen Mitarbeitern zusätzlich noch eine KSK-Abgabe zahlen sollen. Denn für diese Mitarbeiter werden ja schon die Zahlungen an die gesetzlichen Sozialversicherungen erbracht! Dies wäre sicherlich eine sehr große Ungerechtigkeit und Benachteiligung einer Unternehmensform. Gibt es dazu Gerichtsurteile?

Das große Problem ist, dass kleine Agenturen bzw. Medienfirmen keine Lobby in Berlin haben und die IHK als Vertretungen das Thema aus einer bestimmten Sicht aufgreifen.

Gibt es denn niemanden, der für die KSK-Problematik offen wäre und kleine Medienunternehmen unterstützt? Denn sicherlich gibt es ca. 10.000 kleine Medienunternehmen mit vielen Arbeitsplätzen, die von dem Wahnsinn betroffen sind. Gerade in den wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist diese KSK-Abgabe für den Wirtschaftsstandort Deutschland völlig kontraproduktiv und wird viele Arbeitsplätze kosten...


Thorben am 13.01.2009, 20:44 Uhr

@ Sven
Es ist leider in der Tat so, dass auch Entgelte von GbRs abgabenpflichtig sind. Abgabenpflichtig sind alle Entgelte, die an eine natürliche Person gerichtet sind. Es für die Abgabenpflicht unerheblich, ob der Auftragnehmer nun ein Nutzer der finanziellen KSK-Zuschüsse ist oder nicht. Nur die Kapitalgesellschaft stellt dabei eine Lösung dar!

An alle:
Ich verfasse zur Zeit meine Abschlussarbeit zu diesem Thema und habe mich während meines Studiums bereits zuvor mit der Thematik im Rahmen eines Uni-Projektes beschäftigt. Im Rahmen meiner Abschlussarbeit im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften habe ich 206 Druckereien per Fragebogen kontaktiert, die neben der klassischen Druckdienstleistung auch abgabenpflichtige, kreative Dienstleistungen in den Druckvorstufen erbringen. Hier sind bereits sehr starke Tendenzen zu Rechtsformwechseln zur erkennen. Ich selbst komme auch aus einer Druckerei, die jahrzehntelang als Einzelunternehmen firmierte und aufgrund des 3. Änderungsgesetztes des KSVG und anderer Gesetze vom Juni 2007 gezwungen wurde einen Formwechsel zu vollziehen. Bei Druckereien ist das Problem mit dem internen Abführen der KSA nicht so erheblich, weil hier die Geschäftsführer häufig selbst nicht kreativ tätig sind, und wenn nur zu einem kleinen Teil. Die Bezüge der GF fallen daher nicht in die Abgabepflicht. Ein Formwechsel stellt also hier einen wirklichen Wettbewerbsvorteil dar.

Im Zuge meiner Arbeit ist mir aufgefallen, dass die Versorgung mit kompetenter Literatur eher rahr ist und viele "Gespenster" über die KSA kursieren. Für alle, die sich noch weiter und vor allem zuverlässig informieren möchten, kann ich noch einen Buch besonders empfehlen: Es ist von dem Gruppenleiter der KSK-Betriebsprüfer (J. Zacher) verpasst und trägt den Titel "Die betriebliche Künstlersozialabgabe", erschienen im Datakontext-Fachverlag. Auch - das soll erwähnt sein - sind die beiden Bücher von Herrn RA Jürgensen sehr zu empfehlen, erschienen im Haufe-Verlag und beim Verlag Kunst Medien Recht.


Thorben am 13.01.2009, 20:49 Uhr

@ Sven:
Anbei die Urteile bezüglich der KSK-Abgabe bei Leistungen von Personengesellschaften. Begründet wird die Abgabepflicht dadurch, dass den Personengesellschaften die Abgabepflicht fehlt.
LSG Hessen L8/14 KR 495/02,
LSG Rheinland-Pfalz L5 ER 95/04 KR


Andri Jürgensen (Köln) am 15.01.2009, 10:22 Uhr

@ Sven

Auch Zahlungen an eine GbR mit mehreren Mitarbeitern sind für den Auftraggeber abgabepflichtig. Wie die Arbeit intern erledigt wird (ob vom Chef, einem Angestellten oder einem freien Mitarbeiter), spielt für den Kunden keine Rolle. Wäre für den auch nicht zu erkennen, wer was gemacht hat.

Beste Grüße
RA Andri Jürgensen



7.100 € Zahler am 15.01.2009, 21:43 Uhr

Als sogenannter Verwerter hat unser kleines Unternehmen, das die Dienste freiberuflich tätiger Fotografen und Webdesigner in Anspruch genommen hat, jetzt einen Bescheid über 7.100 € (2003 bis 2007)auf dem Tisch liegen. Zahlbar bis 16. Januar. Wir wissen noch nicht, woher wir die Kohle nehmen sollen, aber wir wissen eins ganz genau:
Wir werden zukünftig keine Aufträge mehr an Fotografen, Webdesigner, Texter, Übersetzer Werbeagenturen oder andere von der KSK auserkorene Künstler vergeben. Die hier in diese Richtung geäußerten Befürchtungen von betroffenen Anbietern sind daher vollkommen berechtigt. So wie ich denken auch andere Verwerter. Hier werden gleich zwei Parteien (Verwerter und Anbieter) meiner Meinung nach komplett verarsch..... Ein nicht gewollter Nebeneffekt ist jetzt schon abzusehen: Es lebe die Schwarzarbeit?!


geschäftsführender Gesllschafter Design am 16.01.2009, 18:32 Uhr

@ 7.100 € Zahler

kein Marketing zu machen ist noch fataler, je nachdem, welches Geschäft man führt. Es gibt aber sehr kleine Kreativ-GmbHs (wie wir seit 2005), die mit kleinen Strukturen effizient und KSA-frei arbeiten. Entgegen der Behauptungen von AGD und KSK, müssen wir Kreativ-GmbHs (trotz höherer Verwaltungskosten im Vergleich zur PG) marktwirtschaftlich anbieten. Ergo: wollen wir überleben, können wir nicht viel teurer anbieten als andere. Suche und finde jemanden wie uns, uns Euch wird geholfen!!!!!


martin am 21.01.2009, 18:32 Uhr

habe nun eine gmbh gegründet - hab aber dennoch fragen:
a) wenn ich für einen Kunden text, kann ich in meinen RN an meine Kunden die KSK ausweisen? auf die nettto summe - ihm SIe quasi weitergeben?
Er würde sie auch zahlen, will nur einen Nachweis.

b) und ich als GmbH muss auf welche Summe dann was an die KSK abführen?
Auf mein GF Gehalt oder wie?

Beispiel:
die RN an meinen Kunden ist 2000 € netto - ergäbe 5% 100 € - plus Mwst.

Mein GF -Gehalt monatlich ist bei 1500 € netto - auf das müsste ich dann an die KSK abführen - bekäme aber nix aus der KSK, weil ich als alleiniger GF Stimmenmehrheit habe und nicht sv pflichtig bin -
Hab ich das richtig verstanden???
Leider kann mir noch nicht mal mein Steuerberater da richtig Auskunft geben - irgendwie weiß man nicht soll man lachen oder heulen....
Falls jemand von Euch hier schon Erfahrungen gemacht hat, wäre ich für einen Hinweis von Herzen dankbar!!!


KSKontra.de (Heilbronn) am 21.01.2009, 18:48 Uhr

an Martin:

Wenn eine "Künstler-GmbH" (oder andere Kapitalgesellschaft wie z.B. UG, AG, ..) eine Rechnung schreibt, muss der Rechnungsempfänger KEINE Abgabe an die KSK zahlen. Deswegen gründet man ja die Kapitalgesellschaft, damit die Kunden aus dem Schneider sind und nicht permanent Drohungen aussprechen...

Damit die KSK dennoch an ihr Geld kommt, muss der/die kreative-künstlerisch tätige Geschäftsführer der Kapitalgesellschaft auf sein Gehalt und den Gewinn die Abgabe an die KSK zahlen.
Beispiel: EUR 50.000,- Gehalt/Gewinn pro Jahr machen bei ca. 5% EUR 2.500,- Abgabe an die KSK. Allerdings ist die Abgabe nur fällig, wenn man zu über 50% künstlerisch in der Kapitalgesellschaft tätig ist. Wenn man z.B. nur Buchhaltungsarbeiten in der GmbH erledigt und die künstlerischen Leistungen von sozialversicherungspflichtigen Angestellten erledigt werden, kommt man um die Abgabe herum. Kostet aber unseres Wissens etwas Überzeugungsarbeit bei der KSK...


Jürgen (Stuttgart) am 23.01.2009, 18:16 Uhr

Ich bin seit 25 Jahren als Produzent für Auftragsfilme tätig, früher als GmbH, seit neun Jahren als Freiberufler mit angestellten und freien Mitarbeitern. Ein schönes florierendes Unternehmen mit großen internationalen Kunden, mit Umsätzen, von denen andere in der Branche nur träumen. Ich zahle auch brav die KSK-Abgaben, die für freie Mitarbeiter anfallen, alles kein Problem. Trotzdem bin ich als Inhaber „Künstler“, da ich keine Kapitalgesellschaft brauche. Nur deswegen.

Seit die KSK genauer prüft, gibt es auf Auftraggeberseite Ärger - nicht mein Problem, die sind auch nicht auf mich wütend, sondern auf die KSK - aber: ich muss wieder eine GmbH gründen, um die Kunden (deutschen) zu halten und neue hinzuzugewinnen, denn alle wollen weder die Bürokratie noch das rüde Auftreten der KSK bzw. deren Prüfer an der Backe haben. Verständlich, nachvollziehbar, logisch und nicht diskutierbar.

Hier haben wir Punkt 1, der dringend gelöst werden muss: diese Verzerrung muss weg. Wenn es denn sein muss, bitte Abgaben auf Kreativleistungen aller Unternehmen, egal welcher Rechtsform. Nur das würde Einzelfirmen schützen. Wenn sich dann wirklich alle über die Abgaben aufregen müssten, könnte der nächste Schritt dann auch die Abschaffung sein.

So, in der neuen GmbH muss ich jetzt aufpassen, dass ich keine KSK-Abgaben für mich selbst zahlen muss. Das halte ich für besonders pervers und ist Punkt 2, der mit Punkt 1 zusammenhängt. Weg damit.

Und außerdem: ein Gesetz, das ja zum Schutz von Künstlern gedacht ist, treibt Selbständige in den Ruin. Denn wer in eine Kapitalgesellschaft gezwungen wird und nicht gerade in Geld und Aufträgen schwimmt, ist schneller insolvent, als er gucken kann. Besonders Limited- und UG-Gründer rennen ins Verderben, und sie wissen es nicht mal.

In den Ruin getrieben werden auch Werbeagentur-GmbHs, die nicht wussten (woher auch?), dass auf die Bezüge der Geschäftsführer Abgaben anfallen können. 42.000 EUR lautet der Kostenbescheid, den eine mir bekannte kleine Agentur gerade erhalten hat. Überleben die das? Solche Unternehmen sind auch meine Auftraggeber! Das ist Punkt 3: ein Gesetz, dessen derzeitige Interpretation eine ganze Branche kaputtzumachen droht, muss reformiert werden oder weg.

Vierter Punkt: die Mehrfachabgabe. Ich beauftrage einen Sprecher und zahle auf sein Honorar die KSA. Ich berechne das mit Aufschlag dem Kunden weiter, und der zahlt diese Abgabe noch einmal. Eine künstlerische Leistung wird aber nur einmal erbracht. Das Einfügen der Aufnahme in einen Soundtrack ist keine Kunst, sondern rein mechanische Arbeit. Oder wenn es denn Kunst wäre, dann wird die von einem Cutter erbracht, für dessen Leistungen aber auch schon KSA gefordert wird. Wie man es auch wendet: die Abgabe fällt doppelt an. Ich bin sicher, der Gesetzgeber hat das ursprünglich nicht so gewollt. Also weg mit dem Unsinn, nur am Ende der Kette sollen Abgaben anfallen, nicht zusätzlich und mehrfach auf dem Weg dorthin.

Ich finde es übrigens unfassbar, dass sich der Statt derart rührend um „Künstler“ kümmert, während andere Selbständige mit geringem Einkommen schauen müssen, wo sie bleiben. Was soll das, was ist denn daran solidarisch, wenn eine Gruppe willkürlich bevorzugt wird? Und wird sie es überhaupt – als Künstler überhaupt in die KSK reinzukommen scheint ja auch nicht gerade einfach zu sein. Daher gleich: besser weg damit, und meinetwegen staatliche Hilfen bitte für alle selbständigen Geringverdiener.

Und ganz zuletzt: die KSK weiß doch inzwischen, dass ihre Kasse aufgrund der erfolgreichen und lukrativen Kontrollen jetzt überquellen wird. Wie wäre es denn mit der Ansage, okay, da das Geld jetzt von allen fließt, sinkt der Abgabensatz ab 2010 auf nur noch 1% oder noch weniger. Wäre logisch und würde viele Wogen glätten. Nur so ein Vorschlag – ganz naiv natürlich ...


Sven am 27.01.2009, 16:25 Uhr

Hallo Jürgen,

treffend formuliert und genau meine Meinung. Das Problem ist aber, dass kleine Selbstständige nun mal keine Lobby haben. Da ja aber die KSK hier sicherlich auch mitliesst (und evtl. sogar einige Politiker aus Berlin) hoffe ich, dass sich an der Vorgehensweise doch noch was ändert.

Es kann schließlich nicht sein, dass eine ganze Branche hier vernichtet wird. Leider sind auch Journalisten gegenüber der Problematik nicht offen, da sie ja nur von der KSK profitieren und den Kontext kaum nachvollziehen können oder wollen.


geschäftsführender Gesllschafter Design am 28.01.2009, 09:39 Uhr

@ Jürgen

Leider liest man in den Texten der KSK im Internet, dass es eigentlich nicht um eine künstlerische Arbeit an sich geht. Die erklären es am Beispiel eines Fotografen, der das Handwerk noch nicht einmal erlernt oder professionell/künstlerisch ausgeführt haben muss. Es reicht der KSK der „Tatbestand“, dass die Arbeit für Werbung genutzt wird. Das erklärt auch, warum Lektoren und Visagisten KSA-pflichtig sind.

Aktuell noch ein Thema aus dem Parallel-Universum: gestern ging durch die Nachrichten, dass es verfassungswidrig ist, dass Kinder von Hartz IV Empfängern weniger Kindergeld (67%) erhalten sollen, als Kinder von arbeitenden Eltern. Es würde gegen das Grundgesetz zur Gleichstellung verstossen.

WARUM SIEHT KEINER DEN MISSSTAND, DASS DIE KSA AUCH GEGEN DIE GLEICHBERECHTIGUNG VERSTÖSST?

Und wenn man dann noch das Wording der KSK in deren Korrespondenzen beachtet, kann man bestens verstehen, dass jeder Empfänger einen Hals bekommen MUSS. So eine hoheitliche Unverschämtheit und Arroganz. In jedem Einwohnermeldeamt hat man gelernt, freundlich mit seinen Kunden umzugehen. Ich bin sehr konsequent im Umgang damit, in meinem Freundes- und Bekanntenkreis keinen Umgang mit Beamten zu pflegen. Selbst ein süßes Mädel, dass ich mal im Urlaub an der Wasserkante kennengelernt habe, habe ich mit den Worten „warum lernst nichts Ordentliches“ stehen gelassen, als sie mir offenbarte, dass sie zur Polizeischule geht. Da kann ich echt keine Lust mehr auf Spaß bekommen. Willy und ich haben unseren Stolz. Vielleicht geschieht ein Umdenken, wenn weitere Teile der Bevölkerung die Einstellung der Beamten und Staatsdiener mit Missachtung strafen. Sie sind leider notwendiger Bestandteil des Lebens wie Stechmücken oder Wespen. Aber das Leben könnte damit erträglicher sein.


Holger Enge (Regen) am 17.02.2009, 04:57 Uhr

@ geschäftsführender Gesellschafter Design

Ihre Haltung gegenüber Beamten ist hart.
Sollten wir diese Haltung nicht vielmehr unseren Politikern gegenüber an den Tag legen, in dem wir alle bei der nächsten Wahl unsere Wahlzettel ungültig machen. Ich weiß, das ist ein Traum, doch sind unsere Damen und Herren in Berlin und auf Länderebene so abgehoben, dass sie das Rauschen selbst der höchsten Bäume nicht mehr hören.
Ich habe eine Ltd. gegründet und habe zwei Kunden verloren, die einfach den Sinn der KSK nicht verstehen konnten (ich kann's ja auch nicht).

Aber sehen wir doch mal diese Unterschriftenaktion an? Wo sind denn alle unsere KollegInnen, die mit der Regelung der KSK nicht einverstanden sind. Ich verfolge das nun seit eineinhalb Jahren und die Zahl derer, die sich eingetragen haben ist gerade mal um knapp 250 Einträge gestiegen.
Ist nicht alles in bester Ordnung?
Selbst wenn man die Leute anstuppst, scheint nicht viel zu passieren.


KSKontra.de (Heilbronn) am 17.02.2009, 09:23 Uhr

an Holger Enge:

in der Tat: gemessen an der Zahl der Betroffenen "Künstler wider Willen" und abgabepflichtigen Auftraggeber, ist die Anzahl der Mitmacher ernüchternd gering. Es herrscht leider auch in diesem Zusammenhang oft die Meinung vor: "die anderen werden es schon richten".

An dieser Stelle deshalb nochmals ein Aufruf an alle, die glauben, das Thema KSK hätte sich mit Gründung einer Künstler-Kapitalgesellschaft erledigt: Die Auftraggeber sind zwar aus dem Schneider, aber die KSA auf das eigene Einkommen leisten zu müssen UND bei Beauftragung von Künstler-Personengesellschaften zusätzlich die KSA berappen zu müssen, kann nicht hingenommen werden!
Also: Unterstützen Sie KSKontra.de!


hen neyvern am 05.03.2009, 23:28 Uhr

es wird doch allenthalben über sinn und unsinn der ksa geredet. fakt ist, die ksa in ihrer jetzigen form ist blanker unsinn. denn zum einen wird die wertschöpfungskette von natürlichen personengesellschaft ruiniert (1) und zum anderen werden genau die, die geschützt werden sollen durch die ksa arbeitslos (2).
(1) stellt man sich eine wertschöpfungskette wie folgt vor – eine agentur-gbr beauftrag einen fotografen ein motiv zu erarbeiten und der fotograf benötigt dazu eine stylistin, die er selber beauftragt, dann bezahlt der fotograf die ksa für die stylistin, da das ganze aber zum gewerk des fotos gehört, bezahlt die agentur-gbr den fotograf komplett, sprich auch nochmals z.zt. 5 % für die stylistin, das macht eine verteuerung für das beauftragende unternehmen schon mal alleine 15 % in der ersten stufe. aber da die agentur das bild in einen prospekt, website etc einbaut, muss der agenturkunde auf das gewerke nochmals komplett 5 % bezahlen. achtung! auf das ganze! d.h. eine mehrfache ksa entsteht. das ist addition UND "zins und zinseszins" wer sich das einmal aufzeichnet sieht welche summe tatsächlich entsteht. und was passiert, wenn eine jurist.person.ges. z.b. gmbh ins spiel kommt? das bedeutet für gbrs oder einzelunternehmen schlicht das aus. ergo (2) werden genau die "kleinen" gemieden, sobald das unternehmen die tragweite der ksa erkennt.
--- fallbeispiel:
wie bizarr die realität ist zeigt sich auch bei musikern:
der bankangestellte A macht in seiner freizeit musik und sorgt für auftritte mit musikern B,C,D, oder F,G,H die alle einem geregeltem beruf nachgehen und entsprechend bereits in der kranken&rentenversicherung sind. der wirt einer kneipe macht einmal im monat livemusik und bucht As musikband. jetzt die spannende frage, wer muss was an ksa leisten. genau 5% der gesamtgage bezahlt der wirt an die ksv und nochmals je 5% bezahlt A der bandleader für je einen seiner musiker BCD.
das kann aber genauso auf die grafische branche übertragen werden. gravierendstes beispiel sind kreative bürogemeinschaften, auch hier muss jeder für jeden ksa abführen, wenn der eine für den anderen etwas tut.
---
ich hab mich mit fachrechtsanwälten und mit rentenversicherungsangestellten darüber unterhalten, selbst hier gib es für die derzeitige form der ksa KEIN verständnis, weil genau diese problematik der wettbewerbsverzerrung entsteht.
der gesetzgeber hat eine viel zu komplizierte form der ksa gewählt und gleichzeitig eine zu dehnbare form des begriffs künstlers geschaffen.

die lösung kann nur eine vereinfachung sein, mit – wenn überhaupt – EINER linearen abgabe für die leistung EINES TATSÄCHLICH versicherten.
im grunde muss die versicherung aber eigentlich dort bezahlt und abgeführt werden wo sie entsteht und wem sie nützt, nämlich beim künstler. und nur so behalten diese auch ihre aufträge, weil dadurch für alle beteiligten eine klare struktur entsteht. das führt nicht zur benachteiligung, sondern zur transparenz und zu neuen projekten.


Nichtdasauchnoch am 18.03.2009, 19:47 Uhr

Frage:
Was macht eine (künstliche)Sozialkasse - mal abgesehen von der Finanzierung des gewaltigen bürokratischen Wasserkopfes der "Eintreiber"... - mit ihren zu erwartenden Einnahmeüberschüssen (ca. 3,5 Millionen einzahlenden Verwerter bzw. Abgabepflichtige) bei nur ca. 160.000 Mitgliedern?

Darf eine Sozialkasse eigentlich Überschüsse erwirtschaften?
Sollte sie sich lt. Statuten nicht aus den Abgaben der Mitglieder finanzieren?
Ist die KSK nicht selber als (Einnahme)Künstler einzustufen?
Kleines Spässchen - belüftet ein wenig das Trübsal.

Wüsste gerne mehr. Denn, wenn ich dem Ruin mit Hilfe der KSA schon ein wenig näher kommen darf, möchte ich mich wenigsten an meiner geleisteten Unterstützung "Bedürftiger" erfreuen wollen. Werde ich als zukünftiger Hartz IV Empfänger automatisch von der KSA befreit, oder muß ich mich dort abmelden?


Wahnwitziger am 12.04.2009, 15:34 Uhr

Fassungslos habe ich mich der Petition angeschlossen. Vielen Dank für die Initiative und die Informationen, die hier zu finden sind.

Ich verfolge die mir nun wahnwitzig erscheinende Idee, Postkarten und ggfs. den ein oder anderen Button und Aufnäher selbst zu gestalten, diese produzieren zu lassen und diese selbst zu verkaufen und vielleicht sogar in den Handel zu bringen. Alles ursprünglich als Ein-Person-Gewerbetreibender.

Auch längeres Nachdenken hat mir keine Klarheit verschafft, auf was nun alles welche Abgaben anfallen.

Ich fürchte, dass ich auf den Verdienstanteil des Kreativen in mir Abgaben zahlen muss. Dazu muss diese Persönlichkeitsseite offenbar dem vertreibenden Teil eine virtuelle Rechnung schreiben, auf die der dann auch wieder Abgaben zahlen muss.
Ob der kreative Teil von mir dann auch teilweise in die KSK eintreten darf?

Oder wird es darum gehen, dass ich nachweise, wieviel von mir an welcher Art von Arbeit gesessen hat, damit feststellbar wird, ob ich mehrheitlich kreativ oder mehrheitlich nicht kreativ tätig war?
Gibt es dazu Vorgaben zur Nachweisführung?
Spielen die Stundensätze, die ich mir für die verschiedenen Tätigkeiten zahlen würde, eine Rolle?
Oder sind Kartenentwurf und Karteneintüten gleichwertig zu beurteilen?

Und was wird mit den Herstellungsaufträgen? Die sollte wohl der vertreibende Teil in mir übernehmen. Aber für die Druckvorstufenkosten ist dann wieder KSA fällig? Nun, die Aufträge werden dann wohl nur an GmbHs gehen.

Ich schätze, all das werde ich mal bei der KSK anfragen und meine Idee auch noch einmal hinterfragen.

Ein schönes Beispiel, wie durch Bürokratie Kreativität und Initiativen grundlegend ruiniert werden.


Agentur derzeit GbR später GmbH am 17.06.2009, 13:06 Uhr

Die Schaffung der KSK ist absolut nachvollziehbar, aber was jetzt passiert ist nur als unkontrolierbarer Wildwuchs und ein bürokratisches Monster zu bezeichnen. Für die KSK ist alles Kunst, ob es ein Text, Foto, Übersetzung oder auch eine Website ist.

Jedes Unternehmen nutzt kreative Leistungen! Warum nicht eine minimale Steuererhöhung im Sinne aller Beteiligten. Ähnlich wie die GEZ werden Selbständige von der eigentlichen Arbeit abgehalten und gegängelt. Hier wird viel Energie verschwendet, die für einen Aufschwung benötigt wird.

Ich bin soweit, dass ich fast jede Partei wählen würden, die die KSK nach einem Wahlerfolg abschafft. Wir sind doch in einer Demokratie und entscheiden selbst.


Einzelunternehmer PG am 25.06.2009, 01:36 Uhr

Gibt es bereits hier:

https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition

einer öffentliche Petition, der man sich anschließen kann?

Lieben Gruß
an alle Betroffene


Maliwitch am 02.07.2009, 15:38 Uhr

Mich hat es nun auch erwischt! Gerade heute hat einer meiner langjährigsten Auftraggeber angerufen und mir erzählt, dass die Prüfung bevorsteht. Er weiß, dass ich daran nicht schuld bin, aber ärgerlich ist es allemal. Ich habe ihm also alle Rechnungen nochmal zusammengestellt, damit er sich zumindest diese Arbeit sparen kann.

Ich für meinen Teil habe mich nie den Versuch gestartet mich bei der KSK anzumelden. Ich bin zwar im kreativen Bereich, sehe meine Arbeit aber nicht im Künstlerischen!

Prinzipiell mag die Idee der KSK gut sein, anderseits sehe ich es wie viele andere: wer künstlerisch arbeitet, geht ein gewisses Risiko ein, denn Kunst ist und bleibt Geschmackssache!

Und wenn damit Kultur und deren Weiterentwicklung geschützt werden soll, dann müßten wir alle mit eingespannt werden um die Künstler abzusichern.

Aber... jeder, der sich selbstständig macht, hat doch das gleiche Problem! Wer garantiert mir, dass ich erfolgreich bin??

Als Ein-Frau-Büro bin ich nicht in der Lage, eine GMBH zu gründen und ich will es auch garnicht. Meine Kunden sind kleine und mittelständige Unternehmen, die ich schon viele Jahre begleite.

Das Risiko, dass Kunden zu einer großen Agentur abwandern, haben viele in meiner Situation sind.

Das gesamte System fördert meiner Ansicht nach in keinster Weise eine wirtschaftliche Entwicklung, wenn es auf einmal jede Menge Berufe geben soll, die angeblich künstlerisch sein sollen, deren Ausüber aber keine Chance haben, selbst in der KSK aufgenommen zu werden.

By the way: Kunst kommt von Können! Ergo wäre jeder, der was kann ein Künstler. Boooah, die KSK müßte jede Menge Anträge bekommen...

Liebe Grüße an alle
Mali


Jürgen (Stuttgart) am 26.07.2009, 15:25 Uhr

Zum Schutz meiner Kunden habe ich vor ein paar Monaten eine GmbH gegründet. Fazit: sehr lohnend, großes Aufatmen bei der Kundschaft, obwohl ich bei dieser Gelegenheit die Preise massiv erhöht habe. Die KSK tut sich also keinen Gefallen und verliert Geld - denn der Versuch, dann eben innerhalb der GmbH zu schröpfen, läßt sich relativ leicht unterbinden.

Wie wackelig das Ganze rechtlich ist, zeigt ein Urteil, wo ein Richter endlich einmal der KSK die Grenzen aufgezeigt hat. Es ist hochinteressant, das Urteil einmal in voller Länge durchzulesen, denn es macht Mut, der KSK vor einem Sozialgericht auch selbst die Stirn zu bieten.

Sozialgericht Reutlingen, Urteil v. 19.03.2009 - Az.: S 14 R 2922/08

Leitsatz:

Für Werbefotografen muss nicht grundsätzlich die Künstlersozialabgabe an die Künstlersozialkasse (KSK) entrichtet werden. Nur wenn die Werke eine künstlerische Prägung haben, liegt die Abgabepflicht vor.



Sachverhalt:

Die Beklagte war die KSK. Diese erließ einen Bescheid in Höhe von 4.500,- EUR, mit dem die Klägerin zur Entrichtung der Künstlersozialabgabe verpflichtet wurde. Denn die Klägerin hatte für ein Werbe-Projekt zwei Fotografen beauftragt, von den Honorarzahlungen jedoch keine Abgabe an die KSK geleistet. Die Beklagte begründete den Bescheid damit, dass es sich bei der Werbefotografie um eine künstlerische Tätigkeit handle, welche versicherungspflichtig sei.

Die Klägerin war der Ansicht, dass sie die Leistungen von zwei Werbefotografen in Anspruch genommen habe. Werbefotografen würden nicht der Abgabepflicht unterliegen, da eine handwerkliche Prägung im Vordergrund stehe. Daher beantragte sie gerichtlich, den Bescheid aufzuheben.


Entscheidung:

Die Richter entschieden zugunsten der Klägerin und hoben den Bescheid der KSK auf.

Eine Pflicht zur Entrichtung der Künstlersozialabgabe liege immer dann vor, wenn die Leistung selbständiger Künstler in Anspruch genommen werde. Künstler sei, wer Musik, darstellende oder bildende Kunst schaffe, ausübe oder lehre. Nach Ansicht des Gerichts seien Werbefotografen nicht pauschal als Künstler anzusehen. Nur wenn sie im Bereich der künstlerischen und kreativen Werbefotografie tätig seien, fielen sie unter die Definition des Künstlerbegriffs. Dazu gehöre beispielsweise, dass derjenige an Kunstausstellungen teilnehme, Mitglied von Künstlervereinen sei oder Auszeichnungen erhalten habe.

Nach Ansicht der Richter seien die Fotografen hier als Handwerker einzustufen. Die Fotografien seine weder aufwendig gewesen noch stehe der künstlerische Aspekt im Vordergrund. Es handle sich bei den Fotografien lediglich um die Abbildung von kleinen Papp-Verpackungen, die nur in gutem Licht dargestellt werden sollten. Allein die Umsetzung der Lichtführung stelle jedoch noch keinen künstlerischen Anspruch dar.


GmbH-Geschäftsführer (Hamburg) am 10.09.2009, 04:46 Uhr

Ich habe eine PR-Agentur in Form einer 1-Mann-GmbH und bin geschäftsführender Gesellschafter. Wie ich in diesem Forum lese, müßte ich formaliter auf mein eigenes Gehalt und den GmbH-Gewinn KSK-Abgaben zahlen.

Nun ist es es aber so, dass ich - wie viele andere in ähnlicher Situation - einen vielfältigen Mix von Tätigkeien ausübe, darunter Kundenberatung, Entwicklung von Konzeptionen, Schreiben von Texten etc. Auch die reine Verwaltungsarbeit ist nicht ganz ohne.

Kann mir hier jemand sagen, wie die KSK Tätigkeiten wie Kundenberatung und die Entwicklung von Marketing-Strategien bewertet? Wäre es denkbar, dass auch solche Tätigkeioten als künstlerisch bewertet werden und daraus eine Abgabepflichjt für mein Einkommen als GmbH-Geschäftsführer abgeleitet wird?

Ich persönlich würde das eigentlich verneinen. Aber nach allem, was ich in diesem tollen Forum gelesen habe, bin ich mittlerweile etwas unsicher. Die KSK-Krake scheint ja nach allem zu greifen, was sie kriegen kann.

Würde mich freuen, wenn jemand etwas dazu sagt. Denn im Ernstfall scheint es ja für viele hier nicht ganz unwichtig zu sein, inwieweit man bei einer realistischen Aufsplittung seiner Tätigkeiten möglicherweise dem Zugriff der KSK entgehen kann.

Im Übrigen: Ich unterstütze alle Initiativen, die dem in diesem Forum sehr eindrucksvoll beschriebenen Unwesen der KSK Einhalt gebieten wollen.


KSKontra.de (Heilbronn) am 10.09.2009, 08:42 Uhr

an GmbH-Geschäftsführer (Hamburg)

wenn die KSK der Ansicht ist, dass Sie, respektive der Hauptzweck Ihrer Selbständigkeit, als Kunst im Sinne des KSVG einzustufen ist, dann müssen Sie auf Ihr Gehalt und den Gewinn (im Jahre der Entnahme) die Künstlersozialabgabe leisten. Wie Sie eingestuft werden, hängt von einzelnen Faktoren ab. Z.B.: was ist Zweck Ihrer GmbH laut HRB-Eintrag? Was haben Sie selbst gelernt/studiert? Was führen Sie in Ihren Rechnungen als Leistungen auf?
Uns sind Fälle bekannt, bei denen die KSK unter Vorbehalt keine Abgabe von "Künstlern" verlangt, die als juristische Person firmieren. Unter Vorbehalt bedeutet, dass die KSK evtl. bei einer späteren Prüfung doch zum Schluss kommt, eine Abgabe sei zu leisten.
Kurz: Wenn im HRB steht, dass Sie Consultant zur Erzielung von Absatzssteigerungen sind, Sie BWL studiert haben und Rechnungen geschrieben haben, in denen Sie Consultant-Leistungen abrechnen, sind Sie vor der KSK weitestgehend sicher. Sollten Sie als PR-Agentur im HRB stehen, Marketing/Werbung studiert haben und Rechnungen schreiben, in den Sie als Leistung Kreativtext, Gestaltungskonzeption o.ä. aufführen, hat die KSK mit Sicherheit beste Aussichten Sie als neuen Abgabeleister zu begrüßen.


GmbH-Geschäftsführer (Hamburg) (Hamburg) am 10.09.2009, 16:55 Uhr

Re: an KSKontra

Vielen Dank für diese Präzisierung, der ich entnehme, dass es für einige potenziell Betroffene gewisse Gestaltungsspielräume gibt. Insofern wäre es vielleicht ganz nützlich, wenn diese anhand einiger Fall-Beispiele auf diesem Portal dargestellt würden (die eine oder andere Idee taucht ja auch in den Forumsbeiträgen auf).

Ich denke dabei an Leitlinien/Handlungsanweisungen/Argumentationshilfen, wie man sich als kleiner Fisch gegenüber der Krake am besten positioniert. Beispiel: Wer als Geschäftsführer einer 1-Mann-GmbH noch ein oder zwei 400-Euro-Kräfte einstellt, könnte ja durchaus argumentieren, dass die Kreativleistungen von Angestellten erbgracht werden, während sich der Geschäftsführerund im Wesentlichen auf das Kaufmännische konzentriert.

Ich komme darauf, weil die KSK in ihrer Auflistung der so genannten künstlerischen Berufe keine einzige Tätigkeit benennt, in der Begriffe wie Marketing und Beratung auftauchen. Daraus könnte man m.E ableiten, dass entsprechende Tätigkeiten, wo immer sie auch ausgeübt werden, nicht abgabepflichtig sind, bzw. die Abgabepflicht in Frage stellen, wenn sie den überwiegenden Teil der Gesamttätigkeit ausmachen. Auch das Korrekturlesen von Texten von 400-Euro-Kräften sollte ja eigentlich keine künstlerische Tätigkeit sein. Oder liege ich das völlig falsch?

Beste Grüße nach Heilbronn


Petre Tausend am 10.11.2009, 11:18 Uhr

Es gibt keinen Wasserkopf. Die KSK arbeit mit ca. 160 Beschäftigten (ohne DRV) für das gesamte Bundesgebiet. zeigt mir eine Behörde, die mit genauso wenig Personal auskommt.


designlustig (bonn) am 11.11.2009, 17:39 Uhr

oh ja, ich habe mich auf nachdruck eines für mich erheblich wichtigen kunden in die einzel gmbh begeben.
nun wird es schon schwierig werden keinen beitrag zu leisten da ich in der regel alle kreativen jobs selbst ausführe.
aber jetzt wirds kompliziert: ich bin vor etwa zwei jahren aus der ksk ausgetreten ( habe geschrieben ich bin nicht mehr kreativ tätig- war aber nicht wirklich der fall ) weil dieser auftraggeber meinte das könnte schon reichen. hat es natürlich nicht. habe mich dann in der zwischenzeit selbst versichert. nun, da ich die abgabe selbst leisten muss auf mein gehalt würde ich natürlich gerne wieder eintreten um mir zuminidest etwas von den krankenkassenbeiträgen zu sparen. bzw. darüber etwas "zurück" zu holen.
meine frage: wird die ksk nachprüfen ob ich in den letzten zwei jahren auch ksk pflichtig war? da hat ja der auftraggeber noch die zahlung geleistet- meine aber ich war nicht über die ksk versichert obwohl sich ja meine tätigkeit nicht geändert hat. hätte ich da nachprüfungen zu befürchten oder irgendwelche zahlungen?!

sorry, das klingt chaotisch- aber das gesetz ist es schliesslich auch ;)

beste grüsse
designerin


Spacko am 16.11.2009, 10:24 Uhr

Hallo,
das Ganze durcheinander mit den Abgaben der Kunden eines Künstlers an die KSK habe ich mal recherchiert. Als Auftraggeber eines KSK-Künstlers muss man dann ABgaben an die KSK zahlen, wenn man z.B. ein Verlag ist oder regelmässig in großem Umfang einen KSK-Künstler beschäftigt. (auf der KSK Seite nachzulesen).
Als KSK-Künstler muss nicht den Auftraggeber darauf hinweisen.
Ich verstehe auch das Problem welches hier mit der KSK diskutiert wird (es gibt immer mal Probleme). Wennman sich als kreativer selbstständig macht ist die KSK doch das beste was einem passieren kann und eine Super unterstützung. Wenn man irgendwann zuviel Geld verdient vielleicht nicht mehr, aber die KSK ist doch eher für die "kleinen" und nicht für Agenturen gedacht!


Siegfried Putz (Perlesreut) am 18.11.2009, 14:21 Uhr

Das KSVG geht von einem falschen Kunstbegriff aus. KUNST kann nicht verordnet werden. Der Kunstbegriff ist untrennbar mit dem Freiheitsbegriff verbunden. Zur Kunst gehört die Freiheit, wie die Luft zum Leben!
Genauso wie die Nationalsozialisten nicht das Recht hatten Menschen den Status als Künstler abzuerkennen und deren Werke zu verbrennen, so hat auch heute kein Staat und keine Behörde das Recht jemanden per Gesetz zum Künstler zu erklären.
Kunst entsteht im Kopf des Betrachters oder des Künstlers und entzieht sich der Definition eines abstrakten Gesetzes. Ein Objekt kann nicht per Gesetz zum Kunstwerk erklärt werden und niemand kann gegen seinen Willen zum Künstler gemacht werden. Kunst ist immer ein bewuster und willkürlicher Schöpfungsakt und es muß dem Künstler und dem Betrachter bzw. Konsumenten von Kunst überlassen bleiben, ob er ein Objekt als Kunstwerk sieht oder nicht.
Kunst läßt sich nicht verordnen! Der Kunstbegriff im Sinne des KSVG ist REINE WILLKÜR.
Ob ein Kreuz an der Wand ein Stück Holz, ein religiöses Symbol oder ein Kunstwerk ist, entscheidet einzig und alleine der Betrachter. Ob es sich beim Verschütten von 100 Liter Milch vor einem Rathaus um eine Demonstration oder um eine Kunstperformance handelt liegt einzig im Auge dessen, der diese Aktion ausführt. Jeder, der Kunst von außen definieren will, wird scheitern, da Kunst erst durch die Absicht des Künstlers entsteht und im Kopf des Betrachters. Es ist völlig unsinnig Kunst über die Qualität oder die verwendeten Stilmittel zu definieren.
Wenn es in §2 des KSVG heißt "Künstler im Sinne dieses Gesetzes ist, wer Musik, darstellende oder bildende Kunst schafft ...", so muß damit zwingend definiert werden was Kunst ist. Dies ist aber schlichtweg unmöglich und steht keinem Außenstehenden zu. Wer will schon definitiv sagen, ob ein Foto Kunst ist, oder nur Handwerk? Noch abwegiger ist es, Werbung grundsätzlich zur Kunst zu erklären. Damit stellt sich das KSVG selbst ins Abseits und erbringt den offensichtlichen Beweis für die wirklcihe Absicht dieses unsinnigen Gesetzes: unverschämte Abzocke und Bürkoratismus in Reinform.


geschäftsführender Gesllschafter Design am 23.11.2009, 22:13 Uhr

@ Petre Tausend
Mein Lieber - in der KSK sind etwa 150.000 Mitglieder versichert. Bei Deinen ca. 160 armen „Beschäftigten“ der KSK kommt auf jeden dieser Beschäftigten 937,5 Mitglieder. Pro Tag darf jeder dieser armen Amtsdiener sich um 46,875 Mitglieder kümmern - sind also pro Stunde 5,85xxx Mitglieder, die er/sie verarbeiten muss. Wenn man aber nun überlegt, wieviel Aufwand ein Mitglied in Zeiten der Digitalisierung und automatisierten Prozesse wirklich verursacht, um pro Monat seine Leistungen zu erhalten, kommen mir schier die Tränen. aber wahrscheinlich sind sier mehr überfordert mit dem Geld zählen, dass durch die wirklich armen erfassten Nicht-Mitglieder-aber-Pflichtzahler ohne Unterlass rein strömt. Und sich dann darum zu kümmern, wie der Geldfluss sich verzinest-verzinst. Aber dann kommt ja noch der Stress hinzu, dass die Politik einiges von dem Geld ablöffelt und anderen Verwendungszwecken zuführt.
Zeig mir eine Behörde oder Insitution mit 160 Kostenstellen, die so wenig Versicherte verwalten muss. Ungeachtet der armen Staatsdiener, ist deren zweckliches Tun einfach unredlich, unsozial, und schon lange nicht mehr zweckdienlich. Die armen Bediensteten könnten doch gleich in die Finanzämter oder Rentenkasse einverleibt werden und die Werbesteuer wird pauschal auf alle wie eine zusätzliche MwSt. erhoben - oder wie ein Solidaritätszuschlag - ja, den um 2% erhöhen - auch hier weiß keiner mehr, warum wir das zahlen - der Osten ist wieder aufgebaut - und dann werden keine Kreativen-Nicht-Künstler nicht mehr benachteiligt, arm und deren Anwälte reich gemacht.
Ich kann nur an jeden Kreativen appellieren: MACHT SELBER MEHR ÜBERSTUNDEN, BEVOR IHR FREELANCER BEAUFTRAGT - und lasst Euch beraten, was für Leistungen Ihr Euch in Rechnung stellen lasst. Und wieso sind Übersetzer und Lektoren überhaupt Künstler oder Kreativ? Oder Visagisten?


GmbH GF.. am 24.11.2009, 18:09 Uhr

Wenn ein Marketing-Leiter/-Fachmann eine GmbH gründet und einen Festangestellten hat, der für die Entwicklung der Konzepte, Ausarbeitung... Definition Visitenkarte Kommunikationsdesigern ist, dann ist der Anteil der KüSoKa Abgabe NULL vom GF Gehalt, da dieser ja 100 % kaufmännisch tätig ist und nur nach reiner Kosten/Nutzen Manier abwächt – was auch kreativ sein kann*-)

So funktioniert es jedenfalls.

Steuerberater sind die Feinde der Kreativen – Rechtsanwälte mit Fachkompetenz in Steuer- und Gesellschaftsrecht kennen eine Vielzahl an sehr cleveren und legalen Konstellationen. Da lohnt es ich auch mal Geld in die Hand zu nehmen!


geschäftsführender Gesllschafter Design am 26.11.2009, 17:17 Uhr

@ GmbH GF
ja, Deine beschriebene Lösung ist aber kein Hexenwerk, welches ein Anwaltshonorar lohnt. Die Probleme sind dergestalt, dass kreative „Künstler“ über die GmbH Geschäftsführer und zur Kasse gebeten werden. Wenn ich Grafik-Design studiert habe und einen Angestellten führe, der die Konzepte macht, langt der Prüfer dennoch zu (denn ich muss mind. 2 Angestellte haben, auf die ich Sozialversicherung zahle, um mit meinem Gehalt evtl. befreit zu werden - soviel zur Theorie). Dein beschriebener ehem. Marketingleiter hat im Normalfall eine BWL-lastige Ausbildung und ist damit weder Künstler noch meisten künstlerisch tätig. Und somit unterliegt sein Einkommen von der Kreativ-GmbH auch nicht der KSA.
Ausserdem werden sich Anwälte hüten, konkrete Vorschläge zu machen, die die KSA umgehen - ich hatte vor Jahren so ein Gespräch, welches mir neben der Rechnung wenig konkrete Lösungsvorschläge bot - alles sehr nebulös formuliert - denn ein Anwalt vermeidet zu jedem Preis, dass man sich auf ihn bezieht. dafür denkt er sich aber einen fiktiven Streitwert aus und schreibt sehr gerne zeitnah Rechnungen ... es gibt Steuerberater, die auch Ahnung haben und für deren Beratung innerhalb der normalen Betreuung nichts bezahlt. Beim Anwalt kostet schon das guten Tag sagen Geld - er hört laaaaange aufmerksam zu und gibt dann wenig Weisheiten von sich ... also bitte Vorsicht


Agentur Personengesellschaft am 09.02.2010, 14:55 Uhr

Hallo,
entweder dieser Beitrag baut auf einer falschen Behauptung auf oder es liegt bei mir ein klares Verständnisproblem vor.
Wieso ist der Wechsel in eine GmbH sinnvoll? Soweit ich die Auflagen der KSK kenne, muss so oder so gezahlt werden:

1. Bei Einzelperson oder Personengesellschaft muss die Abgabe vom Endkunden gezahlt werden.
2. Bei juristischen Personen wird die Abgabe "intern" vom Unternehmen selbst gezahlt und über die Rechnung indirekt an den Endkunden weitergegeben.

Gezahlt werden muss also in beiden Fällen und so ergibt sich strenggenommen auch kein wirklicher Wettbewerbsnachteil, wohl aber ein individueller Leistungsvorteil sowie eine unterschiedliche Wahrnehmung beim Kunden. Der Wechsel in eine GmbH verlagert den Abgabenstrom doch lediglich in das Innenverhältnis (GmbH zahlt Abgaben für eigene Künstler)?


Paul Peters am 25.06.2017, 19:04 Uhr

Als geschäftsführender Gesellschafter einen kleinen Marketing-Agentur im Münchner Umland sehe ich mittlerweile die Existenz meiner GmbH durch die - wie es scheint willkürlich - getroffenen Regelungen der KSK bedroht. Ich beschäftige aktuell 2 Mitarbeiter (mehr sind z.Z. leider nicht möglich). Nun stellt sich die Frage, ob auf mein Gehalt die KSA zu entrichten ist. Ich bin in erster Linie als Projektmanager tätig (bin kein Designer und habe auch sonst einen kreativen Background), d.h. ich akquiriere Marketingprojekte und staffe sie dann mit festen / freien Mitarbeitern.
Vor kurzem habe ich gelesen, dass die KSK auch die Akquisition von Marcom-Projekten sowie die damit verbundene beratende Tätigkeit als kreative Leistung ansieht und KSA auf das Geschäftsführer-Gehalt erhoben werden kann. Ins Visier gerückt sind hier vor allem die ganz kleinen Marketing GmbHs, bei denen man davon ausgeht, dass der Geschäftsführer operativ mitarbeitet und nicht nur reine administrative Tätigkeiten ausübt. Wie soll man da eigentlich als kleine Agentur überhaupt überleben können? Meine GmbH kann es sich jedenfalls nicht leisten, KSA auf das ohnehin nicht üppige Geschäftsführergehalt zu zahlen. Ich müsste die Mitarbeiter entlassen und würde wohl hinschmeißen.
Die Alternative wäre, auf Akquisition zu verzichten - aber dann käme erst recht kein Geld ins Haus.
So sehe ich mich nun in der sprichwörtlichen Zwickmühle: egal wie man es dreht und wendet, am Ende ist der "kleine" GmbH-geschäftsführende-Gesellschafter kräftig in den Hintern gekniffen.
In was für einem Staat leben wir eigentlich?

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