empfehlen Bundesinitiative: Länder wollen Künstlerversicherung abschaffen

Auszug aus einem Artikel bei Stern.de vom 09. September 2008: Eine Gruppe von sieben Bundesländern fordert, dass die Künstlersozialversicherung „abgeschafft oder zumindest unternehmerfreundlich reformiert wird“. Davon wären über 150.000 Künstler und Publizisten betroffen. Prompt protestierte der Deutsche Kulturrat. Aber auch Grüne und CDU/CSU kritisierten das Vorhaben.

Mehrere Bundesländer wollen nach Angaben des Deutschen Kulturrates die Künstlersozialversicherung abschaffen. Wie die Spitzenorganisation der Bundeskulturverbände am Dienstag mitteilte, hätten die Länder Baden-Württemberg, Brandenburg, Bremen, Hessen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein jetzt eine entsprechende Bundesratsinitiative ergriffen … den ganzen Artikel bei Stern.de lesen.

Bundesrat Drucksache 558/1/08 (Seite 2, Punkt 3.)

Auch KSKontra.de ist der Meinung, dass das KSVG zumindest unternehmerfreundlich reformiert werden muss, damit nicht weiterhin die „falschen“ Unternehmen und „Künstler wider Willen“ die Leidtragenden sind. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, das Vorhaben der Landesregierungen der sieben genannten Bundesländer zu unterstützen! Was meinen Sie?

KSK Mitglied am 10.09.2008, 14:58 Uhr

Mir scheint es wie ein Versuch durch die Hintertür, das "Problem" anzugehen. Mich wundert es nur, dass man nirgendwo die Namen der verantwortlichen Politiker findet. Ob sie schon geahnt haben, welche Welle die Entrüstung sie auslösen würden?


Joachim Griebe (Hamburg) am 10.09.2008, 21:36 Uhr

WICHTIG ZUM STERNARTIKEL - Gruß aus Hamburg Joachim

Nur "ein bedauerliches Missverständnis"?

Eine mögliche Abschaffung der Künstlersozialkasse (KSK) über den Bundesrat hat bei Politikern und Gewerkschaften für Empörung gesorgt. Der Deutsche Kulturrat wies auf eine von vier Bundesratsausschüssen beschlossene Empfehlung hin, derzufolge die Versicherung "abgeschafft oder zumindest unternehmerfreundlich reformiert werden soll". Am 19. September solle der Bundesrat darüber entscheiden.

Der Bremer Bürgermeister Jens Böhrnsen erklärte jedoch, es handele sich um ein "bedauerliches Missverständnis". Auch die Länder Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein erklärten, es gebe dazu noch keine Kabinettsbeschlüsse. Der Deutsche Kulturrat hatte zuvor Alarm geschlagen und berichtet, die Initiative zur Abschaffung der Versicherung komme von den Ländern Baden-Württemberg, Brandenburg, Bremen, Hessen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein. Die Empfehlung zur Abschaffung ist im Entwurf des Dritten Mittelstandsgesetzes enthalten und wird mit zu großer Bürokratie begründet. Böhrnsen erklärte, Anfang September hätten sich eine Reihe von Fachunterausschüssen des Bundesrats mit dem Entwurf des Gesetzes befasst. "Durch ein bedauerliches Missverständnis auf Arbeitsebene ist dabei in einem solchen Gremium auch über die Abschaffung Künstlersozialversicherung abgestimmt worden."

Scholz: "Das wird niemals kommen"

Bei Vertretern von allen im Bundestag vertretenen Parteien stieß der Verstoß auf Widerstand. "Der Vorschlag ist unverantwortlich und völlig abwegig. Das wird niemals kommen", erklärte Bundessozialminister Olaf Scholz (SPD). Wer Hand an die Künstlersozialversicherung lege, "versündigt sich am kulturellen Leben und am Wirtschaftsstandort Deutschland". Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) nannte die KSK "unverzichtbar". Sie sei "eine der Grundlagen für die Vielfalt des kulturellen Lebens in Deutschland". Ähnlich äußerten sich Vertreter von FDP, Grünen und der Linkspartei.

Außerdem protestierten neben dem Deutschen Kulturrat als Spitzenorganisation der Bundeskulturverbände, der Deutsche Musikrat, der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) und die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Der DJV meinte, das Ende der Künstlersozialkasse "wäre das Aus für den freien Journalismus in Deutschland".

Zu geringes Einkommen für Privatversicherung

In der Künstlersozialkasse können sich selbstständige Künstler und Publizisten sozialversichern. Die 1983 gegründete Versicherung mit Sitz in Wilhelmshaven finanziert sich zu rund 50 Prozent durch die Beiträge der Versicherten, zu 20 Prozent durch einen Bundeszuschuss und zu 30 Prozent durch eine Abgabe der Kunst und Publizistik verwertenden Unternehmen. Derzeit sind rund 160.000 Mitglieder in der Künstlersozialkasse versichert. Sie verdienen laut Kulturrat durchschnittlich 12.616 Euro im Jahr. Bei einem solch geringen Einkommen sei eine private Absicherung nicht möglich, so der Kulturrat. Bei einer Abschaffung wäre die Mehrzahl der Künstler weder kranken- noch pflege- oder rentenversichert. - Quelle : http://www.tagesschau.de


J.Deck (Frankfurt) am 11.09.2008, 11:40 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren,

interessant, wieder eine Propagandaseite der Industrieverbände, diesmal gegen die Künstlersozialkasse. Ein weiterer Versuch der neoliberalen Interessensgemeinschaft, soziale Errungenschaften abzuschaffen. Möglicherweise ist es falsch, dass Designer und andere Pseudo-Kreative, deren Geschäft nichts anderes als Volksverblödung ist, als Künstler zu bezeichnen.

Dass die meisten Künstler äußerst geringe Einkommen haben, weil sie sie sich nicht in der sogenannten "freien Wirtschaft" prostituieren wollen, sondern frei denken und arbeiten wollen, ist hinlänglich bekannt. Wer die KSK in Frage stellt, möchte nichts weiter als die totale Kommerzialisierung von Kunst. Dies muss mit allen Mitteln verhindert werden.

Kunst ist und bleibt Staatsaufgabe, Gelder für Kunst sind keine Subventionen. Irgendwer muss in dieser Gesellschaft ja noch jenseits reiner Profitgier denken.


KSKonta.de (Heilbronn) am 11.09.2008, 12:15 Uhr

an J. Deck:

Wenn Sie diese Internetseite, die Sie als Bestandteil einer Propagandamaschinerie einstufen, aufmerksam gelesen hätten, wüssten Sie, dass diese Seite NICHT von Industrieverbänden erstellt, beeinflusst oder gar finanziert ist.

Ihre Polemik möchte ich nicht weiter kommentieren. Das werden andere übernehmen.
Zu Ihrer Einstellung im Ganzen möchte ich nur erwähnen, dass man denken möchte, Sie wünschten Freie Kunst auf Finanzbasis Kommunistischer Finanzierungsideologien. Widersprüchliger geht es kaum.

Sie haben keine Zeit damit verschwendet sich wirklich in die Sorgen der Kreativen einzulesen. Sonst hätten Sie auch mehrfach erfahren, dass sich die Kreativen Designer selbst als "Künstler wider Willen" sehen. Ich bin Designer und Inhaber einer Agentur. Und ich bin kein Künstler und will auch keiner sein. Punkt.

Also: Warum sollen dann bitte meine Kunden (ich habe eine Personengesellschaft) die Gedankenfreiheit der Künstler finanzieren? Oder warum soll der Inhaber einer Werbeagentur-GmbH auf sein Gehalt und seinen Gewinn eine Abgabe an die Künstlersozialkasse bezahlen, um die dort versicherten Künstler zu unterstützen?

Wenn es denn Staatssache ist, Kunst zu finanzieren, damit diese Frei und unbefangen sein kann, dann soll sie auch der Staat im Ganzen finanzieren.
Bei Beamten ist das doch exakt identisch: Damit Beamte dem Staat gegenüber loyal ihre Arbeit verrichten, müssen diese sich auch nicht um Rentenvorsorge kümmern. Der Staat leistet sich die Beamten - zum Teil zu Recht. Bezahlt wird das aber nicht von einer kleinen Gruppe Selbständiger, sondern von der gesamten Bevölkerung.
Übertragen auf das Thema Kunst lässt sich also sagen: Der Staat soll die Kunst fördern, wie auch die Bildung, die Familien, ... . Nur soll der Staat und die KSK sich diese Unterstützung nicht "nur" von den "Künstlern wider Willen" und deren Kunden bezahlen lassen.

Zum Schluss komme ich nicht umhin, doch noch persönlich zu werden – aber Sie haben damit angefangen: Wenn Design und Werbung Volksverblödung sind und eben dieses Volk indirekt Ihre Sozialleistungen zahlt, dann müssen Sie wahrlich ein schizophrenes Wesen Ihr Eigen nennen. Nur so kann ich mir Ihre sinnfreie Logik erklären.


anonymer Künstler am 11.09.2008, 15:12 Uhr

Ich bin selbst Künstler und finde, dass die KSK mehr schadet als hilft. Mögliche Auftraggeber werden zurückhaltender, da sie eine gewisse Scheu haben, nach einmaligem Abführen "aus Dankbarkeit" genauer geprüft oder gar gleich zu Abschlagszahlungen veranlagt zu werden. Gerüchte (oder wahre Berichte) über utopische Schätzungen durch die KSK verstärken diese Angst.

Des weiteren müssen sich viele Künstler von ihren Auftraggebern im Preis drücken lassen, da diese die KSK Abgabe nicht auf ihr Budget aufschlagen wollen, sondern lieber in selbigem inbegriffen sehen. Dies geht zu Lasten des Künstlers.

Ohne diese Problematik würden sicherlich viele Künstler Mehrverdienste haben, welche den Zuschuss zur Künstlersozialversicherung deutlich übersteigen.

Insbesondere für junge Künstler ist eine private Krankenversicherung immer noch günstiger als 50% der gesetzlichen Kasse. Und ist es nicht auch für einen Künstler, der ohnehin ständig die Frage "kannst Du davon leben?" beantworten muss, erfüllender, auf eigenen Beinen zu stehen und sich nicht vom Staat subventionieren zu lassen?


P.S.: eine Kommerzialisierung der Kunst kann niemand aufhalten, auch nicht die KSK !!!


M. Puelsch am 16.09.2008, 12:01 Uhr

Wer redet eigentlich von der "Abschaffung" der KSK? Die Wirtschaft beteiligt sich sehr aktiv an Kultur und Kunst, niemand stellt ernsthaft die KSK als prinzipiell sinnvolle Einrichtung zum Schutz von freien Künstlern in Frage.

Vielmehr geht es um die Frage, was eine künstlerische Leistung ist. Wie kann es sein, dass die Abgabe für Werke fällig wird, die häufig nicht einmal die niedrigen Kriterien des Urheberrechts erfüllen, eine "persönliche geistige Schöpfung" mit entsprechender "Schöpfungshöhe" zu sein? Natürlich gibt es keinen direkten Zusammenhang, zeigt aber deutlich, mit welchen verzerrten Maßstäben hier von "Kunst" gesprochen wird.

Weiterhin geht es darum ob es in Ordnung ist, Sozialversicherungsbeiträge für Leistungen zu fordern, deren Urheber gar nicht bei der KSK versichert sind und deren soziale Absicherung ganz normaler Teil der Preiskalkulation sind.

Es geht nichtmal um eine angeblich "unternehmensfreundliche" Reform, es geht schlichtweg um Wahlfreiheit und eine leistungsgerechte, faire Gestaltung der Abgabenpflicht. Um etwas anderes geht es doch gar nicht, ich verstehe nicht, was daran so schwierig zu verstehen ist. Es ist zum verzweifeln, dabei ist es doch im Sinne der urpsünglichen Idee der KSK und im Sinne des Steuerzahlers, wenn Unternehmer der Werbebranche sich selbst sozial absichern können und wollen - und eben nicht die aus Steuermitteln mitfinanzierte KSK in Anspruch nehmen. Politik, Presse, Öffentlichkeit: Was ist daran so schwierig zu verstehen?!


KSK Mitglied am 16.09.2008, 16:27 Uhr

Das alles ist nicht schwierig zu verstehen. Aber die KSK-Gegner haben wieder den Fehler gemacht, dass sie nach der Abschaffung der KSK gerufen haben - sei es durch die politischen Ausschüsse - und dabei die jetzigen Reaktionen provoziert.

Ich bin für die KSK, aber ich verstehe die Kritik an ihr, und ich finde es fast irrwitzig, dass Leute aus der Kommunkationsbranche, die massenhaft zu den KSK-Gegnern gehören, es nicht wissen, ihre Botschaft besser unters Volk zu bringen.

Die KSK-Befürwörter können sich einem mächtigen Mythos bedienen - dem der bösen Industrie und der armen Künstler. Immer wenn dieses "Weg mit der KSK" zu hören ist, erzählen sie diese "Story" und es greift.

Das kann mir nur recht sein, ich hätte bloss ein bisschen mehr erwartet.


geschäftsführender Gesllschafter Design am 21.09.2008, 21:35 Uhr

@KSK-Mitglied

Die Gegner haben jede Menge fundierte Argumente aufgefahren. Aber Du bist eines der Beispiele dafür, dass man im Ausdruck deutlich und propangadistisch werden muß, damit Eure Scheuklappen und eindimensionale Sichtweisen endlich fallen. Viele Argumente sagen, lasst Die KSK, aber lasst uns Kreative da raus!!!! Capice?
Die KSK wir mittelfristig (bei mir kurzfristig) zu einem führen: Ich werde und kann mich nicht mehr für große ehrenwerte Projekte pro-bono (kostenlos - capice) einsetzen, denn die KSA fressen mein soziales Engagement auf. Ich rufe alle sozialen Einrichtungen, Vereine, Kirchen, etc. auf, sich bei der KSK und den Künstlern für diesen Wegfall an Zuwendungen zu bedanken. Sollen sich die ehrenamtlichen Institutionen bitte an die KSK wenden, dort Unterstützung einfordern und uns Kreative bezahlen. Wir zahlen dann die KSA und der Kreis (der Sinnlosigkeit) schließt sich.

Hast Du schon einmal etwas umsonst gemacht? Außer einer alten Dame über die Straße zu helfen?


KSK-Mitglied am 21.09.2008, 23:18 Uhr

@geschäftsführender Gesllschafter Design

dir geht's nicht um einen Dialog. Dir geht's nur darum, Deinen Zorn Luft zu machen und Leute, die sich fürs Thema interessieren, anzuschreien. Wenn Du Dir nicht einmal die Mühe machen willst, meine (kurze) Post gründlich zu lesen und mein Anliegen zu verstehen, würde ich Dich gern bitten, mich aus den Tiraden rauszulassen.


KSKontra.de (Heilbronn) am 22.09.2008, 12:31 Uhr

19.9.2008: Bundesrat lehnt Abschaffung der KSK ab!
Die Proteste der KSK-Befürworter der letzten Tage waren leider erfolgreich. Die Bundesländer haben im Bundesrat den Antrag abgelehnt, “die Künstlersozialversicherung abzuschaffen oder unternehmerfreundlich zu reformieren”...

Auszug aus einem Artikel der Bildjournalisten (http://bildjournalisten.djv-online.de/?p=340):
... Die Debatte ist noch nicht zu Ende, sie hat erst gerade unter dem Totschlagsargument “Bürokratie” begonnen. Die Wirtschaftsverbände und Kammerorganisationen wie der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK), der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) und der Bundesverband der Deutschen Arbeitgeber (BDA) sind nicht gewillt, so schnell aufzugeben. Verbände wie der CentralVerband der Deutschen Berufsphotographen (CV, Fotografenhandwerk) oder der Bundesverband der mittelständischen Wirtschaft erneuern die Kritik sogar vehement ...

KSKontra.de hat vor der Entscheidung des Bundesrates am 19.9.2008 allen Mitgliedern des federführenden Wirtschaftsausschusses per E-Mail Argumente aufgeführt, weswegen das Künstlersozialversicherungsgesetz (KSVG) unbedingt überarbeitet werden muss. Leider haben die Argumente nicht ausgereicht...
Eine Kommunikation, die aus den E-Mails an die Mitglieder des Wirtschaftsausschusses hervorging, hat übrigens mal wieder gezeigt, dass viele Verantwortliche leider noch immer nicht begriffen haben, welche Probleme das KSVG im Alltag beschert. Zum Teil gehen die Verantwortlichen von völlig falsche Tatsachen aus, wie das nachfolgende Beispiel zeigt:

Auszug eines Antwortschreibens per E-Mail:
... Sicherlich haben Sie Recht, dass die Abgaben zur Künstlersozialkasse eine gewisse Belastung für die Auftraggeber von künstlerischen Leistungen beziehungsweise Verwerter darstellen, allerdings trifft diese Belastung alle Verwerter, seien sie Personen- oder Kapitalgesellschaften in gleicher Weise und stellt damit keine ungleiche Belastung dar. Soweit Sie ansprechen, die Künstlersozialabgabe sollte nur bezogen auf Arbeiten von Künstlern, die tatsächlich in der Künstlersozialkasse versichert sind, abgeführt werden, können wir dies nicht für sinnvoll halten, da dies eine Wettbewerbsverzerrung unter den Künstlern verursachen wird, die dazu führt, dass bestimmte Künstler nicht beauftragt werden. Auch Ihren Vorschlag, die Künstlersozialabgabe nur von den Künstlern verwalten zu lassen und den Verwertern Bürokratie zu ersparen, halten wir für nicht gangbar. Nach allem bitten wir um Verständnis dafür, dass die Behörde für Kultur, Sport und Medien die Künstlersozialkasse für eine wichtige Institution zur sozialen Absicherung der Künstlerschaft halten.

Diesem Schreiben folgte eine Stellungnahme unsererseits (ebenfalls per E-Mail):
... natürlich trifft die Belastung alle Verwerter, ganz gleich ob die Verwerter als Personengesellschaft oder GmbH firmieren. Allerdings trifft es die Verwerter nur dann, WENN DIE VERWERTER EINE KÜNSTLER-PERSONENGESELLSCHAFT beauftragen. Wenn die Verwerter stattdessen eine Künstler-GmbH beauftragen, trifft es sie nicht, denn dann bezahlen sie keine Künstlersozialabgabe, weil die Abgabe von der beauftragten Künstler-GmbH zu tragen ist.
Ihre Behauptung ist somit nicht zutreffend.

Missverstehen Sie mich bitte nicht, aber:
eine Ihrer Argumentation sehr ähnlichen Darstellung der Sachlage habe ich bereits in mir vorliegenden Schreiben von Politikern erhalten, die sich leider nicht intensiv mit dem von uns angesprochenen Problem auseinandersetzen. Diese "vorbereitete" Argumentation entbehrt leider jeder Realität.

Ich bin Inhaber einer Werbeagentur-Personengesellschaft und muss auf Druck meiner Kunden zum 1.1.2009 eine 1-Mann-GmbH gründen, WEIL meine Kunden die Künstlersozialabgabe weder ermitteln/verwalten noch bezahlen möchten. Sollte ich nicht in eine GmbH umfirmieren, werde ich zumindest einen Kunden verlieren (da der Mutterkonzern die Vorgabe macht, keine Künstler-Personengesellschaften mehr zu beauftragen) und mehreren Kunden einen Rabatt in Höhe der Künstlersozialabgabe einräumen müssen. DAS IST WETTBEWERBSVERZERRUNG! DAS SIND EXISTENZÄNGSTE! Eine jahrelang funktionierende Geschäftsbeziehung fängt an zu bröckeln, weil ein unbekanntes Gesetz die Gemüter erhitzt und die Kunden die Schuld bei ihrer Werbeagentur (bei mir) suchen!

Ich selbst bin in der KSK nicht versicherbar, da ich zu "gewerbelastig" bin. Ich bin also ein Künstler, der von der KSK nicht als Künstler anerkannt wird.
Wenn ich ab 1.1.2009 eine GmbH bin, habe ich etliche Mehrkosten zu tragen:
1. Bilanzierung (Steuereberaterkosten steigen)
2. Veröffentlichung der Bilanz im Bundesanzeiger (noch mehr Kosten)
3. Künstlersozialabgabe auf mein Gehalt und den GmbH-Gewinn

Unterm Strich habe ich ab 2009 Mehrkosten von mind. EUR 3.000,- zu tragen. Ein ganzer Monatsverdienst!
Und warum? Weil ich als Werbeagentur-Personengesellschaft benachteiligt werde! Und weil ich eine Abgabe zahlen muss, aber nicht von ihr profitieren kann.

Sie werden jetzt argumentieren, dass die GmbHs anders kalkulieren müssen und somit ja teurer sind, als die Werbeagentur-Personengesellschaften. Somit würde also die Künstlersozialabgabe, die die GmbH auf das Gehalt des Geschäftsführers und den Gewinn zu leisten hat, über die Preise refinanziert. Leider entspricht diese Argumentation nicht der Realität. Die Leistungen/Angebote von Werbeagenturen sind nicht vergleichbar, denn es wird Kreativität verkauft.
Ideen und Gestaltung lassen sich nicht in Mann-Stunden und daraus resultierenden Preisen vergleichen. Wir reden hier nicht vom Einbau einer Duschwannenarmatur, die vom einen Sanitärfachmann in 3,5 Stunden und vom Mitbewerber in 4,5 Mann-Stunden geleistet wird.

Wenn zwei Werbeagenturen die Gestaltung einer Anzeige anbieten, kann die GmbH ein Angebot über 4, 0 Stunden abgeben, während die Personengesellschaft 5,0 Stunden dazu vorsieht. Das bedeutet nicht, dass die GmbH die schlechtere Anzeige gestalten wird, nur weil sie eine Stunde schneller ist. Es ist eine Frage von Konzept und Ergebnis. Und wenn der Kunde das billigere Angebot (das der GmbH) bevorzugt, spart er auch noch die Künstlersozialabgabe. Das ist die Realität. Ich erlebe das leider tagtäglich.

Hinzu kommt, dass viele von der KSK als Künstler anerkannte freie Grafiker günstiger anbieten können als ich. Grund:
1. "echte" Künstler müssen keine Gewerbesteuer bezahlen
2. sie berechnen nur 7% statt 19% MwSt.
3. ihre Krankenversicherung ist günstiger als meine Private

Insbesondere die 7% MwSt. wirkt sich bei Kunden aus, die nicht vorsteuerabzugsberechtigt sind.
Kommunen, Theater, Museen, Bauträger, ... all diese Kunden sind gut beraten, wenn sie "echte" Künstler beauftragen, denn dann sparen sie 12% MwSt. Und einige Kundennutzen das auch.
Unterm Strich können die "echten" Künstler am Markt günstiger agieren als ich.
Das ist die Wahrheit. Gepaart mit dem Druck meiner Kunden in eine GmbH umzuwandeln und den daraus resultierenden Mehrkosten komme ich leider nicht umhin festzustellen, das ihre Argumentation leider nur reinste Theorie ist.


Eine Antwort auf dieses Schreiben haben wir leider nicht erhalten...

Die Aufklärungsarbeit, der sich KSKontra.de u.a.verschrieben hat, geht weiter. Unterstützen Sie uns hierbei! Öffnen auch Sie Ihren Lokalpolitikern die Augen und zeigen Sie die Schwachstellen des KSVG auf.


nanetta am 10.10.2008, 16:55 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren,
abschaffen muss man die KSVG bestimmt nicht, aber eine ganz normale Abrechnung darf mann ja wohl erwarten. Der Künstler der in dieser Versicherung ist, sollte dies in seiner Rechnung mitteilen und der Auftraggeber sollte den "Arbeitgeberanteil" bezahlen. Künstler die sich anders Versichern, müssen dies auch Finanzieren und kalkulieren dies ein. D.h. es gibt keinen Finanziellen nachteil für den einen wie für den anderen.

Und ganz nebenbei, die Versicherten Künstler bezahlen, der Staat bezahlt, die Auftraggeber bezahlen und zwar auch für alle die die nicht in der KVSG versichert sind. Da müsste ja dann ein riesen Überschuss entstehen????


KSKontra.de (Heilbronn) am 10.10.2008, 17:07 Uhr

an nanetta:

tja, das gesetz sieht nicht vor, dass sich die in der KSK versicherten Künstler "outen", indem diese in ihrer Rechnung die jeweils anfallende Abgabe aufführen müssen. Die Verwerter sollen ja schließlich für alle "Künstler" die Abgabe zahlen - auch wenn diese nicht in der KSK versichert sind oder versicherbar sind.

Überschuss? Nach unseren Berechnungen gibt es diese auch (siehe in Rubrik Downloads: http://www.kskontra.de/md.static/ksk_berechnungen.pdf).
Die Überschüsse sollen ja dafür verwendet werden, den Abgabesatz zu reduzieren. Wie weit die Reduzierung jedoch gehen wird, weiß niemand. Es ist zu erwarten, dass der Abgabesatz bei 3% stagniert und bei weiteren Überschüssen der Bund seinen Zuschuss reduziert (z.B. 10% statt bisher 20%).

Aus einem Interview (ART Magazin) mit Klaus Gerrit Friese (Vorsitzender des Bundesverband Deutscher Galerien und Editionen e.V. (BVDG)) geht übrigens hervor, dass die Galeristen schon seit Jahren einen festen Satz (weil besser kalkulierbar) fordern und dieser bei ein bis zwei Prozent liegen sollte. Diese Forderung blieb bisher wirkungslos.


Gerhard Timmermann, Handwerksbetrieb am 22.10.2008, 22:08 Uhr

Wie kann es sein, dass ich für die "Künstler" zahlen muss, die nie etwas Verwertbares bei mir abgeliefert haben? Typisch deutsche Abzocke! Mir reichts langsam.


Stefanie am 27.10.2008, 18:33 Uhr

Ich habe bereits das zweite KSK-Erlebnis am heutigen Tage durchlebt.
Ein potentieller Neukunde hatte heute einen Termin bei uns vereinbart, aufgrund positiver Empfehlung eines anderen Kunden.
Vor dem Treffen kam jedoch noch ein kurzer Anruf des Sekretariats was wir denn für eine Rechtsform sind. Als ich Einzelfirma sagte mit 4 angestellten und 4 freien Mitarbeitern wurde die Künstlersozialkasse erwähnt und das die Chefin NIE WIEDER ein Unternehmen beauftragen möchte wo für das Unternehmen die KSK-Abgabe anfällt. Der Termin fand heute trotzdem ersteinmal statt, aber ironischerweise ging es in diesem Termin fast kaum noch um kreative Leistungen, sondern darum die KSK zu umgehen oder eben die Prozente in die Kalkulation einzuberechnen und die Angebote dementsprechend günstiger zu machen.

Ein gleiches Gespräch hatte ich mit einem ehemaligen Kunden der im Frühjahr diesen Jahres zu einer GmbH gewechselt ist, ausschließlich aus diesem Grund.

Trotz guter Auftragslage und jehrelangen Kunden habe ich nun erhebliche Bedenken das dies erst der Anfang ist.

Ich zahle sehr hohe Abgaben jedes Jahr an die KSK für alle freien Mitarbeiter und Künstler, Bands, Fotografen etc.
Jetzt sollen meine Kunden aber auf meine Rechnungen für die ich bereits Abgaben geleistet habe noch einmal für ein und dieselbe Leistung nochmal Beiträge abführen?
Wenn ich ein Logo oder eine Broschüre erstellen lasse durch einen freien Mitarbeiter der nicht in der KSK versichert ist sondern bei einer anderen Kasse hat der auch einen nicht unerheblichen Stundensatz. Für den zahle ich also für die Erstellung des Logos oder der Broschüre auf seine Rechnungen die KSK. Diese gleiche Leistung stelle ich dem Kunden (natürlich mit einem gewissen Abwicklungsaufschlag) in Rechnung und der Kunde muß dann auf meine Rechnung, die jedoch ein und dasselbe Werk betreffen noch einmal zahlen??
Das ist doch wirklich der Hammer. Ich berechne dem Kunden ja schon in meiner Rechnung die meinerseits bereits abgeführten KSK-Leistungen eingerechnet in meine Stundensätze! Nun zahlt er daraufhin nochmals??
Während der Kunde bei einer GmbH-Agentur, die ebenfalls fest angestellte Mitarbeiter als auch freie Mitarbeiter hat - also eine gleiche Arbeitsaufteilung hat wie wir, von Abgaben verschont bleibt, nur aufgrund dessen, dass es sich hier um eine andere Rechtsform handelt??
Eine Umwandlung in eine GmbH würde mich jedoch viel mehr monatlich kosten und das kann ich mir als Selbstständige nicht leisten.

Ich hoffe, dass sich diese Ungerechtigkeit schnellstmöglich aufklärt, denn durch diese zunehmende Mediendebatte habe ich wirklich Bedenken Kunden zu verlieren und das wäre wirklich ein schlimmer Grund. Leider könnte ich den Kunden sogar verstehen, denn zweimal für die gleiche Leistung zu bezahlen, einmal indirekt und einmal direkt ist nicht gerade wirtschaftlich förderlich.

Kann mir jemand sagen ob sich da diesbezüglich weitere Bemühungen zeitnah zu Änderungen der KSK-regelung andeuten? Oder war es das nun mit dem Rechtsurteil das alles bleibt wie gehabt?
Ich kann es mir jedenfalls nicht leisten die KSK-Gebühr umsonst abzuarbeiten.

LG, Stefanie


geschäftsführender Gesllschafter Design am 27.10.2008, 20:58 Uhr

@ Stefanie und sonstige Freiberufler-Kollegen

Ich kann leider nicht ganz nachvollziehen, wieso ich so oft hier lese, dass sich ein Freiberufler mit 4 Angestellten und mehreren Freelancern es sich nicht leisten kann, eine GmbH zu gründen. Ich habe es schließlich auch geschafft. Und zwar alleine. Ja, seit 2005 führe ich eine GmbH, habe diese alleine OHNE auch nur einen Angestellten gegründet und führe diese seitdem mit einem oder keinen Angestellten. Ich komme trotz der Zusatzkosten (Handelskammer, Steuerberater, etc.) zurecht. Sicher, es gibt bessere und schlechtere Zeiten ... aber mit so vielen Mitarbeitern kann man sich durchaus die Einlage von 12-25 Tsd € leisten - zumal Ihr mit dem Geld weiter arbeiten könnt. Lasst Euch doch mal beraten, anstatt zu kneifen und zu jammern ... ich denke wirtschaftlich, bin kreativer und kein Künstler, und meine Kunden danken es mir ...


Andrea Härtlein (Köln) am 28.10.2008, 12:50 Uhr

Ich möchte das Engagement dieser Website loben und auch meine eigenen Erfahrungen und Meinung beitragen: Ich bin seit fast 10 Jahren in der Werbung tätig und war nie Mitglied in der KSK. Dafür habe ich seit meiner "Gründung" ein Gewerbe angemeldet und führe z.T. nicht unerhebliche Mengen Gewebesteuer ab, sofern mein Gewinn dies erfordert. Außerdem bin ich Mitglied in der IHK und der Berufsgenossenschaft Druck und Papier. Schon vor 7/8 Jahren gab es Auftraggeber, die unter keinen Umständen bereit waren, Jobs an Freelancer oder Designer zu vergeben, wenn diese Mitglieder der KSK waren. In einem Fall musste ich dies damals sogar schriftlich bestätigen. Heute gilt pauschal: Abgaben für alle, auch wenn sie nicht Mitglied der KSK sind und die Definition einer künstlerischen Leistung ist ganz erstaunlich breit gefächert. Dies halte ich für grotesk - aber Hut ab, gute Lobbyarbeit, von der man sich ein Stück abschneiden sollte. Ich hatte nach dieser "Neuerung" sogar schon Kunden, die mich schriftlich dazu verpflichten wollten, alle anfallenden Kosten für KSK-Forderungen rückwirkend für 5 Jahre selbst zu übernehmen.

Als Dienstleister im grafischen Bereich hat man wirklich selten die Möglichkeit, eine völlig freie und somit künstlerische Leistung zu erbringen und ich kann ebenfalls nur zustimmen: Ich sehe mich nicht als Künstlerin. Wenn ich eine wäre, dürfte ich ja auch meine Leistungen mit dem reduzierten Umsatzsteuersatz von 7% an meine Kunden weitergeben, oder? Ich erbringe eine Dienstleistung, die sich nach den Vorgaben und Wünschen meines Kunden richtet. Ein großer Anteil dieser Leistung besteht dabei sowieso aus rein produktionslastigen Arbeiten, Projektplanung und Kundenkommunikation.

Die Überlegung von Kunden zukünftig nur mit Agenturen zu arbeiten, die die Rechtsform einer GmbH haben, kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Auch ist es so, dass die KSK versucht, bei meinen Kunden - ohne mein Wissen - für mich fällige Abgaben einzutreiben, was schon zu ziemlichem Unmut geführt hat. Ich empfinde dieses Vorgehen als extrem geschäftsschädigend. Zumal es dabei auch noch um Leistungen geht, die überhaupt nicht unter die Abgabepflicht fallen.

Ich finde, es geht hier gar nicht um die Frage, ob man eine GmbH gründen und die damit entstehenden Kosten und den höheren Verwaltungsaufwand auf sich nehmen soll, oder ob man die KSK abschaffen sollte. Die KSK-Angelegenheit und das ganze damit verbundene momentane Vorgehen ist in meinen Augen ein echter Schildbürgerstreich durch den viele kleine Mittelständler einfach nur geschädigt werden. Wenn diese vielen es schaffen, sich zu einer echten Interessengemeinschaft zusammentun könnet man sicher mehr bewegen, als im Moment. Diese Website ist ein guter Schritt in die richtige Richtung, den ich nur unterstützen kann.
Gruß an die Kollegen.


KSKontra.de (Heilbronn) am 05.11.2008, 12:27 Uhr

Eine Analyse der Bürokratiekosten ausgewählter Normen durch die IW Consult GmbH (Institut der deutschen Wirtschaft Köln Consult GmbH) vom 30. September 2008 zeigt auf, dass der Bürokratieaufwand zur Ermittlungt der Künstlersozialabgabe nahezu 80 Prozent der insgesamt gezahlten Künstlersozialabgabe aller Unternehmen an die Künstlersozialkasse beträgt.
Siehe hierzu: http://www.kskontra.de/md.static/iwconsult_analyse.pdf

Auszüge aus der Analyse:

(...) Im Auftrag des Gemeinschaftsausschusses der Deutschen Gewerblichen Wirtschaft wurde daher eine Analyse mit dem Fokus auf ausgewählte Normen durchgeführt, deren bürokratische Lasten nicht nur allein durch gesetzlich formulierte Informations- und Berichtspflichten in der engen Auslegung verursacht werden. (...)

(...) Zu den untersuchten Normen zählen die bürokratischen Belastungen durch das Künstlersozialversicherungsgesetz (...)

(...)Durch die Künstlersozialversicherung entstehen der deutschen Wirtschaft jährliche Bürokratiekosten in Höhe von 142,1 Mio. Euro. Dieser Betrag entspricht fast 80 Prozent der insgesamt gezahlten Künstlersozialabgabe aller Unternehmen an die Künstlersozialkasse. Hierin sind die potenzielle Prüfkosten von Unternehmen nicht enthalten. Die Künstlersozialabgabe in ihrer jetzigen Erhebungsform kann daher als eine extrem unwirtschaftlich konzipierte Regelung bezeichnet werden, da den Unternehmen im Durchschnitt für jeden Beitragseuro zusätzliche Bürokratiekosten in Höhe von 78 Cent entstehen. (...)


KSKontra.de (Heilbronn) am 05.11.2008, 12:30 Uhr

Der Bund der Steuerzahler unterstützt zwei Klagen gegen die Künstlersozialabgabe. Die Klagen sind vor dem Sozialgericht Detmold (Az. S16R218/08) sowie vor dem Sozialgericht Lübeck (Az. S5KR567/08) anhängig. Kläger sind in beiden Fällen Unternehmen, die zum Zwecke der Werbung und Öffentlichkeitsarbeit Werbeagenturen mit verschiedensten Aufgaben beauftragt haben und auf die gezahlten Honorare nun für mehrere Jahre rückwirkend Künstlersozialabgabe nachentrichten sollen.

Der BdSt verkennt nicht, dass es ein kulturpolitisch gerechtfertigtes Interesse an günstigen sozialen Rahmenbedingungen für Künstler und Publizisten gibt. Der BdSt fordert daher NICHT die Abschaffung der Künstlersozialversicherung, sondern kritisiert allein die Künstlersozialabgabe.

Die Klagen in den Musterverfahren werden damit begründet, dass
- die Künstlersozialabgabe insgesamt verfassungswidrig ist,
- zumindest die Abgabepflicht der sog. Eigenwerber gemäß § 24 Abs. 1 S. 2 KSVG verfassungswidrig ist,
- es verfassungswidrig ist, die Abgabe auch dann zu fordern, wenn der beauftragte selbständige Künstler bzw. Publizist gar nicht über die Künstlersozialversicherung versichert ist,
- es verfassungswidrig ist, die Abgabepflicht auf Aufträge an natürliche Personen und Personengesellschaften zu beschränken,
- die Künstlersozialabgabe für die Jahre bis einschließlich 2006 wegen eines sog. strukturellen Vollzugsdefizits verfassungswidrig ist,
- es sich bei vielen der angeblich abgabepflichtigen Leistungen nicht um künstlerische bzw. publizistische Tätigkeiten handelt,
- die Kläger in der Vergangenheit von Seiten der Künstlersozialkasse niemals über ihre mögliche Verpflichtung zur Zahlung der Künstlersozialabgabe aufgeklärt wurden und deshalb wegen Verletzung der gesetzlich normierten Aufklärungspflicht eine Nachforderung für die Vergangenheit rechtswidrig ist und
- dem Versand der Fragebögen der Rentenversicherung zur Künstlersozialabgabepflicht keine verjährungshemmende Wirkung zukommt.


Sabine am 07.11.2008, 14:08 Uhr

Ich verstehe die Welt bzw. Deutschland nicht mehr. Vorallem geht dieses Gesetz am Sinn der KSK vorbei. Im Grunde geht es dem Staat darum, dass deutsche Künstler eine Stütze bekommen, weil Sie das Kulturerbe vertreten. Gut, aber dann sollte man auch den Unterschied erkennen. Freischaffende Künstler und Publizisten, die bei der KSK pflichtversichert sind erschaffen tatsächlich kulturelle Objekte - aber Werbeagenturen sind nichts anders als Dienstleister für wirtschaftliche Zwecke, kulturelle Werte haften an keiner einzigen Arbeit, die eine Werbeagentur umsetzt!
Darüberhinaus ist die Idee der KSK ursprünglich gewesen, dass Künstler und Publizisten dem Angestellten-Status gleichgesetzt werden und die Hälfte der Sozialaufwendungen tragen, die andere Hälfte sollte doch wenn es schon nach dem Angestellten-STatus geht die jeweiligen Auftraggeber zahlen, die die KSK-versicherten Künstler und Publizisten beauftragen.
Vor dem Gesetz ist angebllich jeder Mensch gleich und jeder hat die selben Rechte, verstößt der Staat dann nicht gegen das Gesetz, wenn er den KSK-versicherten Künstlern und Publizisten bzw. der KSK einen Sonderstatus gegenüber anderen verschafft und Werbeagenturen als kreative anders behandelt, als z.B. Friseure und Schreiner, die nicht weniger kreativ arbeiten?
Kann mir das mal jemand erklären???


Jürgen Knopf am 18.11.2008, 17:16 Uhr

Komme gerade von meinem Steuerberater, der mich heute in das Thema KSA eingeführt hat. Als Selbstständiger hat es mich fast umgehauen. Von meinem Umsatz kann ich wohl für das kommende Jahr wahrscheinlich 5% abziehen, da ich mit anderen GmbHs in direkter Konkurrenz stehe, und feste Preise pro Objekt verhandelt werden. Wenn ich meinen Auftraggebern dann auch noch mit 5% Aufschlag wegen KSA komme, lachen die mich doch nur aus. Und den Job kriegen andere. Dafür kriegt das Finanzamt "leider" auch weniger. Nur das nützt mir auch nichts.


Joachim Griebe (HAMBURG) am 19.11.2008, 12:24 Uhr


Pascal (Baden-Württemberg) am 24.11.2008, 16:04 Uhr

Ich finde die Diskussion etwas fehlgeleitet. Es geht doch darum, der Kunst einen Rahmen zu geben! Nicht, um Künstler zu defarmieren, sondern um Künstler und "Nicht-Künstler" zu schützen und sie besser voneinander unterscheiden zu können. Die deutsche Regierung ist auch ein Künstler ... darin, zu pauschalisieren. Anstatt für eine klare Richtlinie zu sorgen, kommt die schlaue Delegation gleich mit einem "Antrag auf Abschaffung". Klar, dass die Gruppierung zum Schutz der Weiß-der-Teufel mit dem Zeigefinger kommen und dummdreist um ihr erarbeitetes Sozialgut bangen ...

Ich bin Agenturinhaber, Gestalter, Unternehmer und fühle mich nicht als Künstler (... höchstens Überlebenskünstler). Mein ganz persönlicher Punkt ist, dass ich bereits 50% meines Einkommens an die Regierung abführe - also 30 Minuten pro Stunde für diesen Staat arbeite. Da mein Zeitpensum für Arbeit manchmal jäh durch Schlafen und Essen unterbrochen wird, gehen diese 5,1% der Künstlersozialkasse von dem ab, was in meinem Kühlschrank landet. Warum? Wegen der Wettbewerbsfähigkeit. Meine Kunden verstehen nicht, warum sie plötzlich NOCH etwas bezahlen sollen und gehen woanders hin, um die Leistungen einer Marketingagentur zu erhalten - zu einer GmbH zum Beispiel. Da kann die KSK erklären was sie will: Die mangelnde Sensibilisierung der Unternehmen darf ich ausbaden!

Dass die Leistungen manch' Kreativer zwar an die KSK abzuführen sind, die Kreativen selbst aber nicht von dieser unterstützt werden, zeugt von unwahrscheinlicher Sozialkompetenz der KünsterSOZIALkasse ...


Joachim Griebe (Hamburg) am 24.11.2008, 16:42 Uhr

Lieber Pascal !
Von Deinem Satz :
"Dass die Leistungen manch' Kreativer zwar an die KSK abzuführen sind, die Kreativen selbst aber nicht von dieser unterstützt werden, zeugt von unwahrscheinlicher Sozialkompetenz der KünsterSOZIALkasse "

würde ich gerne T- Shirts drucken lassen ! - leider kostet mich das dann auch eine Abgabe ...

Joachim Griebe KSK FORUM
Seit Jahren über die KSK pflichtversichert - und als Verwerter überprüft ! - und die KSK hat eine Finanzamtabfrage über mich gemacht - ...


Thorsten am 24.11.2008, 21:13 Uhr

Lieber Joachim Griebe,

Dein Nachsatz über den Umgang der KSK mit Dir sollte einen über unser „Sozialsystem“ grübeln lassen. Denn leider ist es nach wie vor so, dass wenn einer aufsteht und unbequem wird, er bis zur Vernichtung überprüft und verfolgt wird. Der Sozialismus lebt unter uns; wie viele vom Stasi-Kader haben in die KSK rüber gemacht? Die Denke und Methode ist doch identisch: Nehme dem Einen und verteile zum Wohl von Anderen. Unter Androhung von Wahnsinns-Bußgeldern - ja - beuge Dich nieder, entleere Deine Brieftasche und büße. Es geht nicht um Engagement, Fleiß, Leistung. Nein, es geht um Seilschaften, Lobbies, Interessenverbände und Massenabzocke. Der Kreative wird zum missverstandenen abzuzockenden Minderheitsverfolgten. Nur noch Bänker sind aktuell schlechter gestellt - im Image. Denn die mäßig schlauen Bürokraten haben entdeckt, dass sich mit Werbung Geld verdienen läßt - auf ihre Weise. Zielgruppe mal anders. Nennen wir das Kind doch beim Namen (T-Shirt-tauglich) Der Feind des freien Geistes ist die Bürokratie! Schon immer so gewesen und doch sooo aktuell.


Andri Jürgensen (Köln) am 07.01.2009, 18:15 Uhr


@ Thorsten
"Denn die mäßig schlauen Bürokraten haben entdeckt, dass sich mit Werbung Geld verdienen läßt" ...
Naja, die Staatskasse wird durch die KSK nicht gefüllt, nur weiter geleert. Geld verdienen mit der KSK nur die Anwälte.


@ Sabine
Richtig, die spannende Frage ist, warum die Künstler eigentlich unterstützt werden, nicht aber beispielsweise die Steuerberater (die in Sachen KSK ja bestens aufgepaßt haben). Letztendlich ist die KSK doch ein Kind der 70er, niemand würde in der heutigen Situation die KSK erschaffen. Aber die Förderung gerade der Künstler und Publizisten hat nach meiner Meinung schon ihre Rechtfertigung: es sind Branchen mit einem höheren Risiko als andere. 2000 und folgende sind viele fest angestellte Journalisten auf die Straße gesetzt worden - von so etwas hört man bei den Anwälten oder Steuerberatern nicht so oft ... Gleichwohl, hierüber läßt sich streiten, die Mehrheit hat die KSK gewollt, nun müssen wir damit leben, denn der Standard läßt sich nicht so einfach wieder einstampfen.

@ Andrea Härtlein
Die Abgabe mußte auch vor 8 Jahren schon unabhängig davon gezahlt werden, ob der Beauftragte in der KSK ist oder nicht. Da gab es keine Änderung, also auch keine Lobbyarbeit, der man das anlasten könnte. Die vermeintlich breite Auslegung des Kunstbegriffs ist, nebenbei, kein Werk der KSK, die sich ja fleißig gegen neue Versicherte sträubt. Die Hürden sind vom Gesetzgeber absichtlich sehr niedrig gehängt worden, um gerade die Anfänger zu schützen. Ob nun Trauerredner in die KSK gehören oder nicht, mag man kontrovers beurteilen - aber wie viele freie Trauerredner gibt es? Insgesamt halte ich das Tor zur KSK nicht für zu breit.

@ nanetta
Der Abgabesatz hängt vom voraussichtlichen Finanzbedarf der KSK ab. Wenn etwas übrig bleibt am Ende des Jahres, wird dies beim Finanzbedarf des kommenden Jahres berücksichtigt. Wenn die Prognose zu gering war, muss dies im folgenden Jahr über einen etwas höheren Abgabesatz kompensiert werden. Es gibt also keine Überschüsse, die irgendjemand nutzen könnte.


Andri Jürgensen
www.kunstrecht.de



Frank am 07.01.2009, 21:36 Uhr

@ Jürgensen

wie, hier kein „P.S.“ mit Verweis auf die kostenpflichtigen Seminare? 180,- EUR für Anfänger in der Gruppendynamik und 3 Std. Aufenthalt? Ist ein netter Stundensatz, wenn nur 10 Leutchen mitmachen ... und noch mehr bei den Fortgeschrittenen, 3 Std, für schlappe 290,- EUR. Netter Nebenverdienst - sollte ich mir auch mal einfallen lassen.

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