empfehlen Warum sind Tätowierer keine Künstler?

Aus sozialrechtlicher Sicht sind Tätowierer keine Künstler. Un da Tattoos keine Kunstwerke sind, muss die Künstlersozialkasse diese Berufsgruppe auch nicht versichern. Das hat das Bundessozialgericht in Kassel entschieden (AZ: B 3 KS 2/07 R).

Die Richter gaben damit der Künstlersozialkasse aus Wilhelmshaven (die einen Tätowierer nicht versichern wollte) Recht.
Das Gericht war der Auffassung, dass eine "gewisse gestalterische Leistung" sei dem Kläger zwar nicht abzusprechen sei, das gelte aber auch für viele Handwerker wie z.B. Goldschmiede oder Instrumentenbauer.

Der Tätowierer betreibt seit sechs Jahren einen Tätowierladen in Lohne bei Osnabrück und ist gelernter Grafischer Zeichner. Er hat beantragt, bei der Künstlersozialkasse versichert zu werden, weil er die Motive für seine Tattoos selbst und völlig frei entwirft. Deshalb muss er als Künstler gelten. Zudem ist das Tätowieren eine der ältesten Kunstformen. Die Kasse verwies jedoch auf einen "hohen handwerklichen Anteil" an seiner Tätigkeit, der den kreativen weit übersteige.
Das sahen die Richter nun ähnlich: Eine Ausnahme könne nur dann gelten, wenn der Tätowierer in Kunstkreisen Anerkennung gefunden habe. Dem sei aber nicht so.

KSKontra.de ist der Meinung, dass das Tätowieren rechtlich wie ein Kunsthandwerk behandelt wird liegt daran, dass die Auftraggeber der Tätowierer keine Unternehmen sind, sondern "private Endkunden". Und da diese Konsumenten keine Künstlersozialabgabe auf die Leistung der Tätowierer abführen müssen, würden Tätowierer der Künstlersozialkasse lediglich Kosten bescheren - aber keine Einnahmen von Seiten potentieller Verwerter in die Taschen spülen. Andernfalls könnte man mit den gleichen Argumenten vor Gericht klagen, da auch Werbegrafiker einen "hohen handwerklichen Anteil" leisten, der den kreativen deutlich übersteigt. Da aber Verwerter von Werbegrafikern durch Abgabeverpflichtung sehr viel Geld in die Kassen der KSK spülen, wird das Gericht bei solch einer Klage anderer Ansicht sein. Was meinen Sie?

Björn am 08.11.2007, 16:59 Uhr

Das ist typisch: ein Künstler ist nur dann ein Künstler, wenn er der KSK nicht nur auf der Tasche liegt, sondern auch Einnahmen beschert.


Sabine am 19.11.2007, 13:12 Uhr

Ich hoffe nur, dass sich dieses Urteil im Umkehrschluss auch so anwenden lässt, dass auf völlig unkreative Fremdkosten wie Druck oder Werbemittel keine Abgabe erhoben wird, denn die sind ja auch rein handwerklich.
Werden die Einnahmen der KSK dann eigentlich dazu verwendet, die zukünftige Harz4-Empfänger aus der Medienbranche zu finanzieren?!


Sylvia Neyenhuis (NRW) am 28.03.2011, 12:58 Uhr

Der Beitrag ist zwar von 2007, aber egal. 2011 ist das Thema leider immer noch nicht vom Tisch!
Mir platzt da echt die Hutschnur! Ich bin selber Tätowiererin und frage mich, was denn Kunst ist, wenn nicht das entwerfen und kreiren von Zeichnungen und Kunstwerken, die man scnhließend unter die Haut bringt? Zeichnen und somit die Kunst steht hier absolut an ERSTER Stelle! Ohne Talent und ohne Bilder keine Tattoos! Und das einzig handwerkliche dabei ist das Bedienen der Maschine, die zwar notwendig ist, aber für mich als Werkzeug zur künstlerischen Entfaltung dient!
Wilde Pindelstriche auf die Leinwand knallen ist doch auch Kunst, oder? Und das kann wirklich jeder, wie Elefanten und Affen und Co.ja in der Vergangenheit bewiesen haben. Die würden bestimmt in die KSK aufgenommen werden, weil die sind ja dann auch Künstler, oder was?? Unfassbar!!
Was müssen wir Tätowierer denn noch tun, damit diese Ignoranten endlich begreifen, daß das tätowieren mehr mit Kunst zu tun hat als manch andere "Künstler" je imstande wären zu leisten!?
Ich z.B.entwerfe neben meinen Tattoos auch noch meine eigenen Textil-Designs und arbeite gerade an meiner ersten Kollektion, welche ich dann im Laden verkaufen möchte und später neben Bildern mit einer Ausstellung verbreiten möchte! Bin ich dann immer noch keine Künstlerin, weil mein Hauptberuf Tätowiererin ist? Ist doch echt unglaublich!

Aber ich vergaß, Tätowierer sind ja eh "Nichts"! Kein anerkannter Beruf, keine anerkannte Ausbildung, Seminar-Belege zählen auch nicht und für die KSK sind wir natürlich auch nur das Letzte, wie es scheint!

Schön, daß nun auch noch Künstler diskriminiert werden, wenn diese Ihre Kunst in Tattoos ausleben. Was kommt als nächstes??


KSK-Mitglied am 11.04.2011, 21:33 Uhr

Leider meldest Du Dich an der falschen Stellen. Die Fans von dieser Website wollen die KSK abschaffen, nicht zusätzliche "Künstler" eine soziale Absicherung ermöglichen. Liest doch mal die anderen Beiträge. Hier bist Du in der Höhle des Lowens

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